Zeitung Heute : Podiumsdiskussion über den Spracherwerb am Computer

Tina Angerer

Der Computer wird inzwischen an Schulen und Volkshochschulen vielfach eingesetzt, ist zugleich Lehrmittel und Lernmittel geworden. Auch zum Erlernen von Fremdsprachen gibt es multimediale Angebote auf CD-ROM und Treffpunkte im Internet. Sprachen lernen, indem man alleine vor dem Computer sitzt? Das klingt wie ein Widerspruch. Auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der 3. Multimediawoche der Berliner Kinder- und Jugendbibliotheken gingen Politiker, Wissenschaftler, Vertreter von Verlagen dieser Frage nach.

Die Angebote reichen vom einfachen Vokabeltrainer bis hin zu aufwendig animierten Multimedia-Shows, die in Filmsequenzen und Spielen die Sprache vermitteln. "Gerade bei Grammatik und Vokabeln kann der Computer vieles erleichtern", sagt Hélène Correy vom Sprachlabor der FU Berlin. Schülern macht es Spaß, am Computer Regeln zu wiederholen. In Kreuzberg wurden bereits PCs zum Verbessern der deutschen Sprache in Grundschulen und in Gymnasien eingesetzt. "Auch die älteren Schüler waren begeistert" sagte Hannelore May, Stadträtin für Jugend, Bildung und Kultur in Kreuzberg. Gerade in Bezirken mit hohem Anteil von Schülern nichtdeutscher Herkunft könnten zusätzlich neue Medien eingesetzt werden.

Aufbrechen der Schulstruktur

Eine regelmäßige Ergänzung durch den PC im Fremdsprachenunterricht würde die bisherigen Schulstrukturen aufbrechen. "Das Gewicht verlagert sich für den Lehrer mehr auf die Konversation. Das Vokabelpauken nimmt ihm der PC ab", stellt sich Hélène Correy vor. "Der Lehrer wird zum Moderator", erläutert Joachim Thoma von der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport. Thoma weiß aber auch, dass solcher Unterricht noch Zukunftsmusik ist. "Momentan reicht die Ausstattung nicht annähernd aus." Da ist man in manchen Schulen froh, überhaupt einen PC zu haben. Auch stehen für die Fortbildung der Lehrer noch zu wenige Mittel zur Verfügung.

Das hohe Interesse an Sprachlern-Software zeigt sich in den Bibliotheken, die solche CD-ROMs im Sortiment haben. "Doch die Angebote sind noch zu langweilig. Wir brauchen noch mehr mit Animation, Vertonung und Spielfilmsequenzen", fordert Claudia Lux von der Zentral- und Landesbibliothek. Diese Nachfrage wollen Schulbuchverlage befriedigen. Zielgruppe sind die, die am Nachmittag alleine pauken. "Es gibt schon bei Kindern ganz unterschiedliche Lerntypen. Manche wollen gar nicht so viel Gezappel, denen macht der einfache Vokabeltrainer viel mehr Spaß", sagt Christine Kallenbach vom Cornelsen Verlag.

Treffen im virtuellen Klassenzimmer

Trotz aller technischer Fortschritte sind allerdings die Möglichkeiten, beispielsweise vor dem Computer die Aussprache zu trainieren, beschränkt. Man kann zwar die eigene Aussprache aufzeichnen, abspielen lassen und mit der des Computers vergleichen. "Die Technik der Spracherkennung hat aber noch erhebliche Mängel", erklärt Christine Kallenbach. Neue Möglichkeiten eröffnet die Zusammenkunft im Internet, wie sie der Sprachreisenanbieter E.F. Education ermöglicht. Der Schüler kommuniziert online mit einem Lehrer, trifft in einem virtuellen Klassenzimmer andere. Dieser ständige Austausch macht das Lernen spannend. "Solchen Angeboten gehört die Zukunft", so die Wissenschaftlerin Hélène Correy.

Doch auch dies kann nur, da waren sich alle einig, zusätzlicher Service sein. Eine Sprache erlernt man am besten im echten Gespräch mit anderen. Das ist ja auch das Kalkül von E.F.Education, wie Iris Hormann offen zugibt: "Die User sollen natürlich bei uns auch eine Sprachreise buchen."

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