Zeitung Heute : Poetisch und unverdrossen

Marabu spielt für Kinder und Erwachsene.

Furioses Drama. „Heute: Kohlhaas“; Theater Marabu, Bonn / Theater AGORA. Foto: Ursula Kaufmann
Furioses Drama. „Heute: Kohlhaas“; Theater Marabu, Bonn / Theater AGORA. Foto: Ursula Kaufmann

„Die Zukunft des Theaters liegt in einem Hinterhof“, titelte eine Zeitung euphorisch über dieses Haus. Und das scheint wahrlich nicht zu hoch gegriffen. Das Bonner Theater Marabu, mit eigener Spielstätte im Kulturzentrum Brotfabrik, steht seit 20 Jahren für herausragende Produktionen im Kinder- und Jugendgenre. Das junge Publikum wird derart ernst genommen, dass die Grenzen zum Erwachsenentheater verschwimmen. Wen interessieren Sparten, wenn die Kunst fasziniert?

Gegründet wurde Marabu 1993 vom Regisseur Claus Overkamp und der Dramaturgin Tina Jücker. Die beiden künstlerischen Leiter trotzen seitdem nicht nur mit staunenswerter Unverdrossenheit allen wirtschaftlichen Widrigkeiten – ist der Betrieb eines solchen Hauses doch eine Überlebensaufgabe. Sie machen sich auch mit Projekten wie „Experimentierplatz“ oder „Nachwuchs Regie“ um die Förderung junger Künstlerinnen und Künstler verdient.

Immerhin: Dass die Marabu-Arbeit bis dato nicht gewürdigt worden wäre, lässt sich nicht behaupten. Die Liste der Auszeichnungen und Nominierungen ist so lang wie die der Einladungen zu nationalen und internationalen Festivals. Jüngst erst waren die unermüdlich tourenden Bonner mit gleich zwei Stücken beim renommierten „Augenblick Mal!“-Treffen in Berlin vertreten. Mit Inszenierungen, die vom weiten Horizont und der künstlerischen Spannbreite der Bühne künden: „Schwester“ ist eine Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs von Jon Fosse, 2007 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis geehrt. Dass die Uraufführung einer freien Spielstätte übertragen wurde, spricht für sich. Die minimalistische Geschichte aus der Kindergedankenwelt hat Overkamp mit poetischer Zartheit in Szene gesetzt. Und seine gefeierte Regiearbeit „Heute: Kohlhaas“ in Koproduktion mit dem belgischen Theater AGORA versetzt die Kleist’sche Moritat über Recht und Gerechtigkeit mit zirzensischer Spektakellust in eine Gauklerwelt. Für Menschen ab 15. Oder: für alle, die furisoses Theater schätzen. paw

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