Zeitung Heute : Poetische Wildereien

Hendrik Jackson

Was Steffen Popps Gedichte auf Anhieb sympathisch macht, ist ihre Unbekümmertheit darum, was heute angeblich geht und nicht geht in der Lyrik – bei gleichzeitig reflektiertem Sprachumgang. „Mein Herz – eine Sprengwolke“ heißt es bei dem 1978 in Greifswald geborenen und heute in Berlin lebenden Popp. Und in der Tat sind seine Zeilen immer wieder kleine Sprengwolken, bei denen einem der eine oder andere Splitter ins Auge fliegt. Verse von hoher Bedeutung mischen sich mit Banalitäten und Abschweifungen. Immer stimmt dabei aber die Intonation mit ihrer Mischung aus luzider Überdrehtheit und ironischer Abfederung. In seinem fiktiven Nachwort treibt es der Autor dann fast zu studentisch-bunt, aber Popp verzeiht man diese Wilderei.

Er erweist sich als junger, aber eben nicht „seriöser“ und von einem unsichtbaren Kanon entstellter Autor. Die Gedichte glänzen mit fast genialisch anmutenden Zeilenperlen von E.T.A.Hoffmanscher Verstiegenheit: „am Fenster der grauen Kaschemme/ rollte das trunkene Auge des Heimleiters“. Und wenn man je darauf gewartet hat, jemanden nach Größtem greifen zu sehen, ohne gewichtig zu werden, findet man hier „das Gralslicht der Tankstellen“.

Steffen Popp: Wie Alpen. Gedichte. kookbooks, Idstein 2004. 72 Seiten, 13,80 €.

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