Zeitung Heute : Polen – Ekuador 0 : 2

WM-Stadion Gelsenkirchen, 9. Juni 2006, 52 000 Zuschauer

Jens Kirschneck

Ein Dialogfetzen aus der Schalker Arena: „Kommst du von hier oder direkt aus Polen?“ Wohlgemerkt: Sprecherin wie Adressat trugen polnische Trikots, doch waren die rot-weißen Fans des Nachbarlandes ein bunter Mix aus echten WM-Touristen und Nachfahren polnischer Migranten aus dem Ruhrpott. Gerade Schalke hat da eine gewisse Tradition, und so wuchs am Eröffnungstag zusammen, was zusammengehört (oder sich zumindest mal beschnuppern wollte). Das Stadion fest in polnischer Hand, mit gelb-blau gewandeten Ekuadorianern als Farbtupfern. Was aber Polens Mannschaft aus dieser Steilvorlage machte, war über weite Strecken erbarmungswürdig. Ohne Flachs: Die polnische Abwehr ist noch schlechter als die deutsche, und von den 74er Helden wie Lato und Deyna sind Zurawski, Sobolewski & Co. so weit weg wie die Erde vom Mond. So war das stimmige Schlussbild des Tages ein kundiger polnischer Journalist, ein erfahrener Fahrensmann, der desillusioniert in seine Kaffeetasse starrte und multilingual jammerte: „Das warr Anti-Football!“ Und: „Polen sitzt schon auf Kofferrr!“ Man konnte ihm nicht widersprechen.

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