POLIT-KUNST„embedded art“ : Elektroschock und Terrorangst

Nicola Kuhn

Eigentlich hätte man mit einer solchen Ausstellung früher gerechnet bei einem Akademiepräsidenten wie Klaus Staeck, der gleichsam die politisch engagierte Kunst der Bundesrepublik repräsentiert. Zu spät kommt „embedded art. Kunst im Namen der Sicherheit“, die erste Akademieausstellung im neuen Jahr, trotzdem nicht. Denn Fragen der Bedrohung des freien öffentlichen Lebens bleiben aktuell – zumal am Pariser Platz mit seinen Botschaften, Banken und dem Adlon-Hotel. Spätestens seit dem 11. September gilt der meistbesuchte Ort Berlins als Sicherheitszone Nummer eins.

Die Künstlergruppe BBM (was für „Beobachter der Bediener von Maschinen“ steht) hat nun Kollegen aus aller Welt gebeten, auf die aktuelle Situation zu reagieren. Entstanden sind Arbeiten zu den Themen Terror und Angst, Sicherheit und Kontrolle, die vor Ort oder in Recherchen „eingebettet“ sind. So schleuste sich die Berliner Fotografin Heidi Specker als Bildjournalistin in die Karlsruher „Future Security Konferenz“ ein und fotografierte dort die verräterischen „Oberflächen“ dieses Settings, wie sie es nennt: gigantische Chips, die wie Kronjuwelen in Vitrinen auslagen, und die „Tarnkleidung“ der Konferenzteilnehmer, der obligatorische Zweireiher mit weißem Oberhemd. Das Berliner Duo Andrée Korpys & Markus Löffler beschäftigte sich mit der Wirkungsweise des Tasers, einer Elektroschockpistole, die das Gegenüber mit 50 000 Volt attackiert. In Sicherheitskursen erproben die künftigen Benutzer diese Waffe zunächst an sich selbst. Auch Künstler sind offensichtlich fasziniert vom Wahn um die Sicherheit. Nicola Kuhn

Akademie der Künste, Pariser Platz, Sa 24. 1. bis So 22. 3.,

Di-So 11-20 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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