Zeitung Heute : Politiker fordern Umbau von Unicef

Bundestagsvertreter im Komitee des Hilfswerks kritisieren Vorstand / Mitarbeiter verlangen Transparenz

Ulrike Scheffer[Johannes Radke] Antje Sirleschtov

Berlin - Nach dem Rücktritt der früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) als Vorsitzende von Unicef Deutschland gerät die Organisation immer stärker in Erklärungsnot. Am Montag verlangten auch Vertreter des Bundestags im Unicef-Komitee Reformen beim Förderverein für das Kinderhilfswerk der UN. Es sei „bedauerlich“, sagte die Vertreterin der Unions-Fraktion im Bundestag, Anke Eymer, dem Tagesspiegel, dass das Unicef-Komitee von den aktuellen Problemen erst aus den Medien erfahren musste. Eymer fordert nun „höhere Transparenz“ und strukturelle Veränderungen in der Zusammenarbeit von Vorstand und Komitee bei Unicef. Jede Bundestagsfraktion entsendet für die Dauer einer Legislaturperiode einen Vertreter in das Unicef-Komitee. Die Mitglieder haben jedoch dem Vorstand gegenüber kaum Kontrollrechte. Die von der Linksfraktion entsandte Monika Knoche bezeichnete das Komitee als „schmückendes Beiwerk“.

Auch viele der rund 8000 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Organisation sind unzufrieden. Viele drängen auf den Rücktritt des umstrittenen Geschäftsführers Dietrich Garlichs. „Wir bestehen auf einer neuen Geschäftsleitung“, sagte die Leiterin der Unicef-Arbeitsgruppe Marburg, Prisca Priebe dem Tagesspiegel. Man könne nach dem Rücktritt von Simonis nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Wie sollen wir das denn Spendern erklären?“, sagte Priebe. Auch die 400 ehrenamtlichen Mitarbeiter der größten Unicef-Ortsgruppe in Hamburg sind verunsichert. „Das Vertrauen der Arbeitsgruppen zum Vorstand muss wiederhergestellt werden“, sagte die Hamburg-Leiterin Dorothee von Unruh. Unicef müsse in Zukunft „transparent wie ein Glashaus sein“.

Der Vorstand des deutschen Komitees des Kinderhilfswerks kündigte unterdessen organisatorische Veränderungen bei Unicef an. Es werde Strukturververänderungen in der Geschäftsstelle und bei der Arbeit des Vorstandes geben, sagte der amtierende Vorsitzende des Komitees, Reinhard Schlagintweit, der „Financial Times Deutschland“. Der Unicef-Vorstand hatte sich in einer Krisensitzung in Frankfurt erneut hinter Garlichs gestellt. Auch Schlagintweit will künftig weiter mit Garlichs zusammenarbeiten. „Ich habe ihm nichts vorzuwerfen“, sagte er dem Tagesspiegel. Der Geschäftsführer sei bisweilen lediglich „ein wenig großzügig und unbekümmert“ gewesen.

Unicef wird vorgeworfen, mit ehemaligen Mitarbeitern üppige Beraterverträge abgeschlossen zu haben. Eine Prüfung durch KPMG ergab zwar keine Hinweise auf Korruption. Die Prüfer stellten jedoch Verstöße gegen die Vergaberichtlinien der Organisation fest. Die ehrenamtliche Vorsitzende Simonis hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe wiederholt mehr Transparenz eingefordert, sie sprach Garlichs aber auch immer wieder das Vertrauen aus. Zuletzt war es zwischen der Politikerin und den Vorstandsmitgliedern zum Bruch gekommen. Auch Schwimmerin Sandra Völker will künftig nicht mehr als Repräsentantin für die Kinderhilfsorganisation arbeiten.

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