POLITISCHE SATIRE „Der Krieg des Charlie Wilson“ : Witz als Waffe

Christiane Peitz

Selten so wunderbar ätzende Dialoge gehört. Im Schlagabtausch mit Tom Hanks, Julia Roberts und Philip Seymour Hoffman fliegen die Fetzen in einem Tempo, dass man manche Pointe verpasst. Der kalte Krieg der achtziger Jahre als hitziges Wortgefecht: Das Drehbuch zu „Der Krieg des Charlie Wilson“ stammt von „West Wing“-Autor Aaron Sorkin, der die hohe Kunst der US-Fernsehserienschreibe miterfand. Gemeinsam mit Sorkin reanimiert Regisseur Mike Nichols („Reifeprüfung“) die ausgestorbene Gattung der Screwball-Comedy. Nur dass er deren Regeln nicht auf den Krieg der Geschlechter anwendet, sondern auf das Schlachtfeld der Politik.

Das Thema ist Geschichte – und hochaktuell: Aufrüstung in Afghanistan. Den texanischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson gab es wirklich, er lebt heute in Lufkin, Texas und war in seiner politisch aktiven Zeit ein Playboy und Draufgänger par excellence, notorischer Whiskeytrinker und Lobbyist, dem es gelang, für die Bewaffnung der Mudschahedin eine Milliarde Dollar aufzutreiben, auf dass die Afghanen die Russen besiegen mögen. Im Film helfen ihm dabei zwei weitere Strippenzieher: die wasserstoffblonde Society-Lady Joanne (Roberts) und der abgebrühte CIA-Mann Gust (Hoffman).

Politik ist Mauschelei und Mascara. Ständig wird was vertuscht. Während die Männer in den Hinterzimmern von Washington, Kairo und Islamabad um Allianzen schmieden, biegt sich die blonde Lady nach ihrem Quickie mit Wilson die Wimpern mit einer offenen Sicherheitsnadel zurecht. Großartiger Auftritt: Julia Roberts traut sich, mit 40 eine geliftete Mittfünfzigerin zu spielen!

Bei aller Messerschärfe im Detail fällt die politische Message leider schrecklich tumb aus. Nichols dekonstruiert die Politik, um sie schließlich affirmativ abzunicken: Aufrüstung ist nur zu begrüßen. Was im Kalten Krieg recht war, ist uns heute noch billig. Was bleibt von diesem Film: Wilsons selbstkritische Bilanz, dass die Milliarde für den Krieg gegen die Russen nichts wert ist, wenn hinterher nicht mal eine Million für den Wiederaufbau Afghanistans übrig ist? Oder die effektvollen Bilder von den Afghanen, die mit Stingerraketen russische Kampfhubschrauber abschießen? Dazu erklingt Händels „Messias“. Mike Nichols feiert das messianische Sendungsbewusstsein seiner Nation. Beißende US-Politsatire mit bellizistischer Botschaft. Christiane Peitz

„Der Krieg des Charlie Wilson“, USA 2007,

97 Min., R: Mike Nichols, D: Tom Hanks, Julia

Roberts, Philip Seymour Hoffman

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