Zeitung Heute : „Politische und kulturelle Partnerschaften“

Das Osteuropa-Institut bietet ein Studium an, das sich auf eine abwechslungsreiche und zukunftsträchtige Region bezieht. Nikolai Genov, der Institutsratsvorsitzende des Osteuropa-Instituts, nennt die Chancen

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Welche Studienangebote bietet das OEI?

Das OsteuropaInstitut beginnt das Studienjahr 2004/05 mit ungewöhnlich vielen neu eingeschriebenen Studierenden. Zum letzten Mal gibt es noch den auslaufenden Magisterstudiengang. Am stärksten nachgefragt ist der Masterstudiengang Osteuropa-Studien, für den es sehr vielversprechende Bewerberinnen und Bewerber gab. Außerdem bieten wir im zweiten Jahr den Fernstudiengang „East European Studies“ online an. Schritt für Schritt wird das Lehrprogramm auf die beiden modularisierten Studiengänge umgestellt, die vor einer Akkreditierung stehen. Die Umstellung ist nicht einfach, sie nimmt viel Zeit und Kräfte in Anspruch. Gerade deswegen ist es sehr erfreulich, dass die Lehrkräfte am Osteuropa-Institut eine bedeutende Verstärkung in diesem Jahr durch die beiden Professorenstellen von Frau Gertrud Pickhan und Herrn Georg Witte erhalten haben. Das Osteuropa-Institut befindet sich also im Sinne der Reform der Lehrprogramme und der Erweiterung des Lehrangebots in einer Aufschwungphase. Das konnten wir vor ein paar Jahren kaum erwarten.

Warum ist es so attraktiv, am OEI zu studieren?

Das Osteuropa-Institut bietet profilierte Lehrprogramme an, die sich auf eine dynamische, abwechslungsreiche und zukunftsträchtige Region beziehen. In Deutschland und in Berlin begründet sich das diesjährige Wirtschaftswachstum vor allem von Exporten nach Osteuropa. Es geht aber auch um politische und kulturelle Partnerschaften, die lange Traditionen haben und deren Weiterentwicklung für ganz Europa – und auch für die Welt – außerordentlich wichtig sind. Ich meine dabei die schrittweise Integration von Ostmittel- und Südosteuropa in die Europäische Union, aber auch die Zusammenarbeit mit Russland, Ukraine, Belarus, Moldau, Armenien, Georgien und mit den neuen Staaten in Zentralasien. Der Ausbau von wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen mit allen diesen Ländern schafft Arbeitsplätze und ist eine spannende berufliche Herausforderung. Die Absolventen unseres Instituts werden vom Arbeitsmarkt schnell absorbiert.

Worin unterscheidet sich das OEI von den Angeboten an der Humboldt-Universität?

Ich möchte die Frage anders stellen – mit Bezug auf die spezifische Stärke unseres Studienangebots. Zusammen mit dem John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien und mit dem Lateinamerika-Institut stellt das Osteuropa-Institut einen Teil der Besonderheit und der Stärke der Freien Universität dar. Wir bieten ein konsequent interdisziplinäres Lehrprogramm, das fundiertes wissenschaftliches Wissen vermittelt, aber auch deutlich auf die künftige Berufspraxis ausgerichtet ist. Unsere Studierenden wissen den Reichtum dieses Lehrangebots wie die breiten Möglichkeiten für ein sinnvolles Praktikum und erfolgreiche berufliche Entwicklung zu schätzen.

In welche Richtung wird sich das OEI künftig entwickeln?

Gestatten Sie mir, über Richtungen zu sprechen. Ein Gebot der Stunde ist die Stärkung der Forschungsarbeit, weil sich die Verhältnisse in den einzelnen osteuropäischen Ländern, in der osteuropäischen Region und in einem breiteren geopolitischen Rahmen sehr schnell verändern. Wir brauchen intensivere Forschungsarbeit, um die hohe Qualität der Lehre zu sichern und Drittmittel einzuwerben. Außerdem wollen wir unsere Beratungsfunktionen in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Nichtregierungsorganisationen stärken. Das können wir nur auf der Basis von gesicherten Forschungsergebnissen tun. Ich hoffe sehr, dass wir mit manchen Lücken, die durch die Kürzungen von Professorenstellen entstanden sind, bald fertig werden. Und nicht zuletzt werden wir neue organisatorische Anstrengungen investieren müssen, um den Tendenzen, die Lehre von osteuropäischen Sprachen in Berlin und Brandenburg zu reduzieren, entgegenzuwirken.

Welche Rolle soll dabei die Internationalisierung von Forschung und Lehre spielen?

Kein Zweifel, wir brauchen Intensivierung der internationalen Komponente unserer Forschungsarbeit und der Lehre. Aber nicht deswegen, weil diese Komponente in der Arbeit des Osteuropa-Instituts schwach ist. Im Gegenteil, das ist gerade unsere Stärke - die Hochschullehrer sind sehr gut international vernetzt, die Lehrangebote basieren auf internationalen Vergleichen, wir haben verhältnismäßig viel Studierende aus dem Ausland. Die Aufgabe ist anders zu definieren – wir sollen die Prozesse in Osteuropa in dem breiten Rahmen der europäischen Integration und der globalen Trends noch detaillierter analysieren und in dieser Richtung auch die Lehre gestalten. Dazu brauchen wir auch stärkere Zusammenarbeit mit verwandten Institutionen im Rahmen des Bologna-Prozesses. Es wird wahrscheinlich sinnvoll sein, eine Strategie für die weitere Internationalisierung der Forschung und Lehre am Institut zu entwickeln und konsequent zu verfolgen.

Das Gespräch führte Felicitas v. Aretin

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