POLITISCHE KUNST7. Berlin Biennale : Steh auf und kämpfe

Wie wirkt Kunst? Hat sie überhaupt Einfluss auf die Realität? Diese Frage stellt die 7. Berlin Biennale, und das elitäre Getue der Kunst, die gern unter der sicheren Käseglocke agiert und feiert, kommt gleich mit auf den Prüfstand. Die Eröffnungen an den Hauptorten der Biennale – KW Institute for Contemporary Art, Akademie der Künste oder St. Elisabeth-Kirche – sind, das ist nicht immer so bei Biennalen, offen für alle. Die Stadt soll zu einer Bühne des politischen Aktivismus werden, zum Beispiel im Spreepark in Treptow, wo am 28. und 29. April verschiedene Reenactment-Gruppen die Verteidigung Berlins zum Kriegsende 1945 sowie die Kapitulation nachspielen, auch das ein Event, das sich explizit an die breite Bevölkerung wendet.

Zeitgleich zur Biennale präsentiert die Galerie Anselm Dreher, die in Berlin bereits seit 45 Jahren die Fahne der Konzeptkunst hochhält, politisch engagierte Kunst aus mehreren Jahrzehnten. Denn gesellschaftskritische Kunst gibt es natürlich nicht erst seit Finanzkrise, Facebook und Artur Zmijewski. Jochen Gerz hat in seiner Arbeit „Erase/The Past“ von 1991 zwei Fotos aus dem Schorfheider Jagdgebiet der DDR-Funktionäre verarbeitet. In Wolf Vostells berühmter Collage „B 52“ von 1968 werden statt Bomben Lippenstifte aus dem Flieger geworfen. Der ehemalige DAAD-Stipendiat Dennis Adams zeigte in seiner Installation „Rudi Dutschke“ von 1989 den toten Attentäter statt das Opfer, was zunächst unabsichtlich geschah. Ursache und Wirkung verschwimmen, wie im realen politischen Geschehen. Birgit Rieger

KW Institute for Contemporary Art, Eröffnung: Do 26.4., 19-22 Uhr, weitere Orte unter www. berlinbiennale.de / Galerie Anselm Dreher, bis Fr 25.5., Di-Fr 14-18, Sa 11-14 Uhr

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