POLITISCHES ERZÄHLENEin Tag für und mit Ulrich Peltzer : Feinde und falsche Freunde

Marita Mirkus

Von Anfang an war „Die Ästhetik des Politischen“ sein Thema – und „Die Gegenwart erzählen“ zu wollen sein Antrieb. Ulrich Peltzer, 1956 in Krefeld geboren und seit drei Jahrzehnten in Berlin zu Hause, hat die politischen Verwerfungen, denen seine Generation ausgesetzt war, am eigenen Leib erfahren. Schon „Alle oder keiner“, sein großer Roman aus dem Jahr 1999, war eine Inspektion der Befindlichkeiten nach 1968. Zur szenisch gleitenden Art dieses Erzählens steht sein bisher erfolgreichster Roman „Teil der Lösung“ nicht nur mit seinen harten Schnitten in Kontrast, sondern auch durch die unmittelbare Gegenwart, die er erkundet. „Jede Gesellschaft hat die Feinde, die sie verdient“, heißt es einmal aus der Sicht eines Staatsschützers.

Im Literaturforum wird „Die Ästhetik des Politischen“ nun in einer Tagung untersucht. In sechs Vorträgen durchmessen Literaturwissenschaftler tagsüber Peltzers Werk – vom Debüt „Die Sünden der Faulheit“ bis zur 9/11-Prosa „Bryant Park“. Am Abend stellt Peltzer im Gespräch mit Uwe Schütte seinen noch unveröffentlichten neuen Roman vor. Im Zentrum steht der Kampf eines international tätigen Managers um Aufträge und Kredite. Zwischen Sao Paulo, Turin und Amsterdam pendelnd, holt ihn sein Schicksal in Person eines mysteriösen Amerikaners ein, der sich anscheinend mühelos durch die Zeiten bewegt und als Zeuge von Ereignissen fungiert, die dem Geschichtsbuch des 20. Jahrhunderts angehören. Ob in der Redaktion einer deutschen Exilzeitung 1936 in Moskau oder auf dem Campus der Kent State University 1970 – sein Auftrag lautet: Versuchung. Ihr zu widerstehen, erfordert ungeheure Kraft. Marita Mirkus

Literaturforum im Brecht-Haus, Do 5.12., Vorträge ab 10 Uhr, Lesung 20 Uhr, Eintritt frei

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