POLITTHRILLER„Fair Game“ : Krieg der Lügen

Foto: Tobis Film
Foto: Tobis Film

Regisseur Doug Liman, seit der „Bourne“-Trilogie Spezialist für Action rund um klandestine Identitäten, hat sich einen explizit politischen Stoff vorgenommen: die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins und die Kriegslügen der Regierung George W. Bush. Letztes Jahr drehte Liman Wahlkampfspots für Barack Obama, im Mai hatte sein Politthriller „Fair Game“ in Cannes Premiere.

Die Story ist so wahr wie atemberaubend: Valerie Plame (Naomi Watts), Mutter zweier Kinder und glücklich verheiratet mit dem Ex-Diplomaten Joe Wilson (Sean Penn), arbeitet als Top-Agentin der CIA. Nicht mal die engsten Freunde ahnen, dass ihre Jetset-Existenz als erfolgreiche Businessfrau reine Tarnung ist. Nach 9/11 erhält sie den Auftrag, Details über das Atomprogramm des Irak herauszufinden; und als ehemaliger afrikanischer Botschafter soll ihr Mann herausfinden, ob Saddam in Niger Uran gekauft hat. Bush braucht einen Kriegsgrund.

Erstaunt stellt das Ehepaar fest: Es gibt weder Uranlieferungen noch irakische Physiker, die an Massenvernichtungswaffen basteln. Amerika erklärt Saddam trotzdem den Krieg. Als Joe Wilson in der „New York Times“ die Wahrheit verrät, wird Plame enttarnt und suspendiert, ohne Rücksicht auf die Sicherheit ihrer Familie und ihrer Informanten überall in der Welt. Der Fall ging durch die Medien und kam vor Gericht.

Naomi Watts als attraktive, entschlossen agierende Geheimdienstlerin. Sean Penn als freundlicher Macho, der die Kinder versorgt und Zigarre schmauchend der Staatsmacht trotzt. Der Irakkrieg, der Nervenkrieg des Weißen Hauses gegen das Paar und der Krieg der beiden über die Frage, ob sie den schier aussichtslosen Kampf gegen die Regierung aufnehmen sollen. Und eine rasante Kamera, die von Schauplatz zu Schauplatz fliegt, nervös, wachsam, als sei auch sie in geheimer Mission unterwegs.

Die Details des Falls Plame-Wilson mögen komplizierter sein, aber Doug Liman mischt Privates und Politik, Glamour und Zeitgeschichte, Fakt und Fiktion zu mutigem Unterhaltungskino. In Hollywood hat das Tradition, nicht erst seit Filme über den Irakkrieg ein eigenes Genre geworden sind und Kathryn Bigelow für ihr Bombenentschärfer-Drama „Tödliches Kommando“ den Oscar gewann. „Fair Game“ rückt die Explosivkraft der Wahrheit ins Zentrum. Und zwei unerschrockene Bürger, die alles riskieren, um die Lügen der Weltmacht Amerika aufzudecken. Intelligentes Genrekino. Christiane Peitz

USA 2010, 108 Min., R: Doug Liman, D: Naomi Watts, Sean Penn, Sam Shepard

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