Zeitung Heute : Polizeipräsident Kandt verteidigt tödlichen Schuss

Berlin - Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt hat den tödlichen Schuss eines Polizeibeamten auf einen 31-jährigen geistig verwirrten Mann verteidigt. Es spreche „viel für eine Notwehrsituation. Die Bewertung liegt allerdings bei der Staatsanwaltschaft“, sagte Kandt im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Der Mann war am vergangenen Freitag im Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus mit einem Messer auf einen Polizisten losgegangen. Kandt bezeichnete das Messer als eine „in der Nahdistanz“ äußerst gefährliche Waffe. Durch einen Beinschuss hätte der Beamte den Mann, der in kurzer Distanz vor ihm stand, nicht unbedingt angriffsunfähig gemacht. In einer Notwehrsituation müsse man auch „in den Oberkörper schießen können“, sagte Kandt. Zu dem Zeitpunkt, als der psychisch kranke Mann noch im Brunnen gesessen habe, wäre ein Elektroschocker (Taser) „wahrscheinlich geeignet gewesen, ihn sicher zu entwaffnen“.

Auch in Polizeikreisen wird über die Verhältnis- und Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes am Freitag diskutiert. Polizeibeamte, die rund um den Fernsehturm eingesetzt werden, sprechen von „Hetze“ gegen sie. Kandt sagte, er sei überrascht, „wie schnell meine Beamten angegangen werden“ und wie viel Misstrauen ihnen entgegengebracht werde. Ein Truppführer hatte sich in einem Brief an den Tagesspiegel über mangelnde Rückendeckung der Polizeiführung beklagt. Kandt kündigte an, er werde „zeitnah“ mit diesem und anderen Beamten sprechen. sib/tabu

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