Zeitung Heute : „Polizisten müssen Präsenz zeigen“

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Lehrer und Polizei wollen gegen Gewalt an deutschen Schulen gemeinsam vorgehen. Wie soll eine engere Zusammenarbeit aussehen, Herr Speck?

Die Schulen und die jeweiligen Polizeireviere vor Ort müssen präventiv vorgehen: Jede Schule und jedes zuständige Polizeirevier vor Ort muss jeweils einen Ansprechpartner stellen, die sich dann regelmäßig zusammensetzen. Dafür ist es nötig, dass die Schulen ihre letzten Vorbehalte gegenüber der Polizei überwinden. Wir müssen erreichen, dass Polizisten als Vertrauenspersonen wahrgenommen werden. Vor allem ausländische Schüler hegen oft Misstrauen ihnen gegenüber, weil sie in ihrem Herkunftsland schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben. Damit überhaupt ein solches Vertrauen aufgebaut werden kann, müssen die Polizisten regelmäßige Präsenz an den Schulen zeigen. Nur so kann potenziellen Gewalttätern vermittelt werden, dass sie unter ständiger Beobachtung stehen. Eine Gewalttat kann so im Vorfeld erstickt werden.

Wie ist ein solches Vorhaben angesichts der schlechten finanziellen Lage der Polizei zu bewältigen?

Die Frage der Gewaltprävention darf nicht am Geld scheitern. Vor allem muss endlich der Abbau von Polizeistellen gestoppt werden. Es kann nicht sein, dass trotz des Stellenabbaus immer mehr Aufgaben an die Polizei delegiert werden, und die Polizei deshalb ihren grundlegenden Aufgaben wie der Gewaltprävention nicht mehr nachkommen kann. Schulen und Eltern sollten zudem gewillt sein, für die verbesserte Zusammenarbeit von Schulen und Polizei einen Teil der Kosten zu tragen.

Welche Schritte sind als nächstes geplant?

Die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Lehrergewerkschaft VBE werden sich als nächstes an die jeweiligen Landesverbände wenden, von diesen Informationen einholen und zentral sammeln. Dann soll mit dem Druck der Öffentlichkeit und der Eltern die Politik eingeschaltet werden. Bis dahin werden sicher ein, zwei Jahre vergehen, in einzelnen Städten lässt sich aber auch schon in einem halben Jahr etwas bewirken.

Wolfgang Speck ist Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Das Gespräch führte A. v. Heydebreck.

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