Zeitung Heute : POLLESCH „Darwin-win & Martin Loser-Drag King & Hygiene auf Tauris“ An der Diskurskreuzung

Sandra Luzina

„Die Negation wird für verrückt gehalten, und nicht die Kreativität! Aber das war doch mal anders, man sprach doch mal von verrückten Künstlern! Die können doch nicht plötzlich pragmatischer geworden sein als die Negation!“ So erregte sich die tolle Sophie Rois in „Diktatorengattinen I“, wo sie nach Wegen aus der Kreativitätsfalle suchte und zwischendurch immer mal wieder behauptete, Elena Ceausescu zu sein. Eigentlich hatte man ja auf eine Fortsetzung gehofft. Die neue Inszenierung von René Pollesch wird stattdessen unter dem Titel „Darwin-win & Martin Loser-Drag King & Hygiene auf Tauris“ angekündigt.

Pollesch ist bei Darwin und der Evolutionstheorie angekommen und macht sich so seine Gedanken über die Entstehung neuer Arten (Stichwort Symbiogenese!). Und er lässt sich weiterhin von Donna Haraway und ihren anarchistischen Hunden intellektuell befruchten. Haraway ist Naturwissenschaftshistorikerin, Biologin und Professorin für feministische Theorien und TechnoScience. Sie reflektiert vor allem über die Veränderungen von Klasse, Rasse und Gender in unserer Gesellschaft. Bei Pollesch werden also munter die Diskurse gekreuzt. Der Gegenstand der erregten Dialoge ist unter anderem der Körper von Iris Berben, der sich laut Pollesch nicht verändern will. Dagegen spielen an: Nina Kronjäger, Bernhard Schütz, Brigitte Cuvelier und Jean Chaize. Damit das Theater nicht nur intellektuell stimulierend ist, sondern auch von lebenspraktischem Nutzen, gibt Pollesch diesmal die Maxime aus: „Lernen wir Kerne zu werden, statt Futter zu sein!“ Sandra Luzina

Volksbühne, Sa 19.4., 21 Uhr (Premiere),

Di 22. und Mo 28.4., 19.30 Uhr, 22 €

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