Zeitung Heute : Polnisch- italienischer Breakdance

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Sie kommen aus der ganzen Welt, halten ihre Fähnchen in den Wind und klopfen sich stolz aufs Landeswappen. Hier stellen wir Fußballpilger vor, die loszogen, um nah dran zu sein.

Von weitem sieht Rafael aus wie ein typischer Tifosi. Ganz in Blau gekleidet, liegt er auf einer Bank in der Sonne. Ein wenig dolce vita mitten in Berlin. Doch ganz so einfach ist es bei ihm nicht. „Ich komme aus Polen“, erklärt er mit einem Lachen, als habe er Spaß daran, die Leute zu verwirren. Seine Wurzeln seien jedoch in Italien, fügt er fast als Entschuldigung für sein Outfit hinzu. Für eine Mannschaft entscheiden mochte er sich jedoch nicht. „Mir liegen beide Mannschaften gleichermaßen am Herzen“, sagt er und schlägt sich mit der Hand auf die Brust. Ein Finale Italien gegen Polen wäre ihm daher am liebsten. Doch daran glauben mag er selbst nicht so richtig. Karten hat Rafael leider keine bekommen, aber die Atmosphäre während der WM wollte er sich dann doch nicht entgehen lassen. Deshalb ist er von Polen nach Deutschland gekommen. Die meisten Spiele schaut er nur abends im Fernsehen an: am liebsten in einer ruhigen Bar. Trubel hat Rafael tagsüber genug. Zusammen mit Freunden präsentiert er auf dem Pariser Platz eine Breakdance-Show. Aus den verschiedensten Ländern der Welt sind sie zusammengekommen, um mit den Menschen das Turnier zu feiern und nebenher ein paar Euro zu verdienen. In Berlin sind sie schon seit einer ganzen Weile. Wenn es nach Rafael geht, kann das so bleiben, denn hier gefalle es ihm mit Abstand am besten. Vielleicht gehe es jedoch auch weiter durch die Republik. Hamburg oder Frankfurt könnte er sich noch vorstellen. Zum Abschluss stellt sich Rafael noch einmal, ganz Künstler, in Positur. Italien und Polen, Breakdance und Fußball – vier Lieben bestimmen sein Leben.

Auch wenn vielleicht keine seiner Mannschaften ins Finale kommen sollte.

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