POLNISCHE WELTLITERATURJoanna Bator : Schöner stranden

Tobias Schwartz

Die polnische Schriftstellerin Joanna Bator, Jahrgang 1968 und als Universitätsdozentin zurzeit in Japan beheimatet, hat Goethes Ideen von einer Weltliteratur mit menschheitlichem Atem tief verinnerlicht. Ihr neuer Roman „Wolkenfern“ (Suhrkamp) hätte kaum kosmopolitischer, weltgewandter und weltbewusster ausfallen können. In eine Schublade wie „osteuropäische Literatur“ – von der Bezeichnung distanziert sich die Autorin auf der Website ihres Verlages ausdrücklich – passt er sowieso nicht.

Im Zentrum ihres oft tragischen, teils schwarzhumorigen und immer mitreißenden Romans steht Dominika, eine junge Frau, die nach einem Verkehrsunfall aus dem Koma erwacht, sich von den Fesseln ihrer polnischen Nationalität – und der Verwandtschaft – löst und nun die Welt erkundet. „Wolkenfern“ – der Titel bezeichnet einen traumhaften Sehnsuchtsort, an den sich die Protagonistin und ihre Freundin beim Schuleschwänzen wünschten. Es ist natürlich kein Zufall, dass bereits die Hauptfigur in Bators früherem, viel gelobten polnischen Familienroman „Sandberg“ Dominika hieß. Getrieben von Fernweh landet und strandet sie nun als Fotografin in New York, in London und schließlich in Griechenland, immer begleitet von schemenhaften Erinnerungen an die Zeit vor dem Unfall und etlichen kuriosen Familiengeschichten. Die wiederum werden von zahllosen Geschichten der Menschen, die ihr in der Welt begegnen, ergänzt. Alle wollen Dominika ihre Geschichte erzählen und vielen erzählt sie ihre. Joanna Bator und ihre Übersetzerin Esther Kinsky stellen den Roman nun gemeinsam vor. Tobias Schwartz

Backfabrik, Clinker Lounge, Do 21.11., 20 Uhr, 8 €

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