POP-AUTOBIOGRAFIE Luke Haines liest „Bad Vibes“ : Blick zurück im Zorn

Luke Haines ist eine legendäre Figur des britischen Pop. So legendär, dass sich heutzutage zwar jeder halbwegs Popinteressierte an Blur, Oasis, Pulp und mit Abstrichen Suede erinnert, aber leider nicht mehr an Haines und seine Band, die Auteurs. Dabei waren die Auteurs die besten, klügsten, komplexesten Britpopper, die mit dem meisten Glam in ihren Songs, da konnten sich Brett Anderson und Jarvis Cocker so glamourös krümmen, wie sie wollten. Ein Album wie „New Wave“, Songs wie „1967“ oder „Lights Out“ von dem späten Auteurs-Album „How I learned to love the bootboys“ – all das klingt gut nach, bringt heute noch Herzen zum Beben, Schokolippen zum Schmelzen.

Keine Frage, dass Luke Haines viel zu erzählen hat, klug und exzentrisch wie er ist. Früh wusste er etwa, dass man die RAF oder Karl Marx für den Pop instrumentalisieren kann, sie gar Pop sind. Nur leidet sein Buch „Bad Vibes“, das die hohe Zeit des Britpop und der Auteurs von 1993 bis 1997 behandelt, unter der typischen Materialfülle von Musikerautobiografien. Haines erinnert sich präzise. Er weiß, wie es auf dieser oder jener Tour war oder wie er bei der Mercury-Prize-Verleihung pöbelte, weil Suede den Preis bekamen, nicht die Auteurs. Verdammt lange her, und Haines ist manchmal sehr schlecht gelaunt. Er wäre halt gern größer als die Beatles geworden, statt mit Black Box Recorder weiterzumachen, Soloplatten zu veröffentlichen und sich wie viele einst kurzzeitig gefeierte Kollegen durchzuwursteln (sagen wir: Nick Heyward, Ian McCulloch, Guy Chadwick). Das wäre die bessere Geschichte für ein Buch. Legendär bleibt Haines trotzdem, insofern geht „Bad Vibes“ in Ordnung. Gerrit Bartels

Luke Haines & Bernd Begemann: Magnet Club, Fr 19.11, 20 Uhr, 10 €

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