POP-HOFFNUNG Lena : Von Oslo nach Düsseldorf

Eigentlich ist Lena Meyer-Landruts Ausgangsposition für den am 14. Mai in Düsseldorf stattfindenden „Eurovision Song Contest“ doch gar nicht so schlecht. Nachdem die absurde Erwartungshaltung, sie möge dem Triumph von Oslo am besten gleich die Titelverteidigung folgen lassen, durch die zähe Findungsprozedur des Wettbewerbssongs allgemeiner Ernüchterung gewichen ist, hat sie nicht mehr viel zu verlieren. Und wer weiß, vielleicht rollt die berühmteste Hannoveranerin neun Tage vor ihrem 20. Geburtstag das Feld ja von hinten auf. Denn dass das Niveau des Contests trotz beträchtlicher Anstrengungen der beteiligten Nationen eher schwankend ist, erlebt man Jahr für Jahr aufs Neue. Etwa, wenn man entgeistert vor der Glotze sitzt und sich fragt, warum das Pop-Mutterland Großbritannien regelmäßig komplett talentfreie Bewerber ins Rennen schickt.

Denn, mal ganz unter uns, so schlecht ist Lenas Beitrag „Taken by a Stranger“ gar nicht. Man hat zwar irgendwie das Gefühl, dass der eher unterkühlte Dancefloor-meets-R’n’B-Song ein wenig an Lenas charmanten Performer-Qualitäten vorbei komponiert ist und – schwerer wiegend – vor lauter Spannung einen erlösenden Refrain verweigert. Aber mehr Substanz als die zu erwartende Mixtur aus Kirmestechno-Geballer, Jammerballaden und Eurodisco-Gestampfe hat das Stück bestimmt. Und falls es diesmal nichts werden sollte mit den enthusiastischen „Twelve Points go to lovely Lena“-Wertungen und Sympathiebekundungen aus ganz Europa, bleibt die Erinnerung an einen unvergesslichen Moment der Pop-Geschichte. Schon deswegen drücken wir ganz feste die Daumen. Mach’s noch einmal, Lena!Jörg Wunder

O2 World, Mi 13.4., 20 Uhr, ab 36 €

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