POP MEETS KAMMERMUSIKThe Notwist mit neuem Album : Nur keine Hektik

Jörg W er

In solchen Zeiträumen sind schon Pop-Karrieren den Bach runtergegangen: Sechs Jahre haben The Notwist ihre durch das formidable letzte Album „Neon Golden“ zahlreich gewordenen Fans auf einen Nachfolger warten lassen. Dennoch musste man nie wirklich befürchten, die Weilheimer könnten am Guns-N‘-Roses-Syndrom leiden und die Veröffentlichung von „The Devil, you + me“ bis zum Sanktnimmerleinstag verschieben. Es war auch nicht der beträchtliche Erwartungsdruck, der durch den sogar über den Atlantik geschwappten Erfolg von „Neon Golden“ auf der Band hätte lasten können. Vielmehr hat das in gut einem Dutzend musikalischen Nebenprojekten und teilweise auch in Familiengründungsangelegenheiten beschäftigte Notwist-Kerntrio aus den Brüdern Markus und Micha Acher und Martin Gretschmann mit aller gebotenen Ruhe und Sorgfalt an den neuen Songs gearbeitet.

Das Ergebnis ist in seiner Tiefe und klanglichen Vielschichtigkeit jederzeit imponierend, auch wenn der erste Höreindruck vielleicht etwas weniger Ohrwürmer verspricht als beim Vorgänger. Dafür dürfte „The Devil, you + me“, ab jetzt mit einer gewissen Beharrlichkeit gehört, etwa im Herbst seine maximale melancholisch-emotionale Wirkung entfalten. Die kammermusikalisch fein ziselierten Songs von The Notwist erinnern atmosphärisch nicht von ungefähr an die späten, großartigen Talk Talk. Nur dass die sich aus einer anderen Richtung dem fragilen Edelpop-Entwurf angenähert haben: Talk Talk fingen als synthetische Hitparadenpopper an, während The Notwist vor 15 Jahren bajuwarische Hardcore-Postpunks waren. Davon hört man nicht mehr viel. Ist wohl auch besser so. Jörg Wunder

Volksbühne, Fr 9.5., 21 Uhr, 20 €, erm. 16 €

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