POPFleetwood Mac : Westküstenträume

Jörg W er

Mit dem Thema Fleetwood Mac kann man unter Pop-Fans immer noch leidenschaftliche Streitgespräche entfachen. Meist dreht sich der Diskurs um ein einziges Album: „Rumours“, jenen ausgerechnet im Punk-Durchbruchsjahr 1977 erschienenen Blockbuster, der mit über 40 Millionen verkauften Exemplaren zu den zehn erfolgreichsten Platten der Popgeschichte gehört. Was den einen als Inbegriff totproduzierten Muckertums und seelenloses Manifest einer dekadenten Kokser- Truppe gilt, ist für andere das zur makellosen Brillanz gereifte Meisterwerk des L.A.-Hochglanz-Pops, das in existenzialistischen Vierminutenepen den Rosenkrieg der beiden Ehepaare in den Reihen Fleetwood Macs reflektiert. „Rumours“ besaß einen erheblichen Vorlauf: Es war bereits das elfte Album der 1967 in London gegründeten und später nach Kalifornien verzogenen Band, die sich im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens personell und stilistisch etliche Male gehäutet hatte und dabei von ambitionierten Bluesrockern zu Jägern des perfekten Popsongs mutierte.

Die völlige Freiheit, die ihre Plattenfirma ihnen nach dem Welterfolg einräumte, nutzten Fleetwood Mac für einen verstörenden, avantgardistischen Nachfolger: „Tusk“ fing die selbstzerstörerischen Tendenzen der Band auch musikalisch ein und warf dennoch eine Hymne wie das schwerelose „Sara“ ab. Seit Jahren erscheinen nur noch sporadisch neue Platten von Fleetwood Mac, die letzte 2003. Doch mit einem Repertoire, das ein knappes Dutzend Popsongs für die Ewigkeit umfasst, können die Westcoast-Dinosaurier getrost bis zum wohlverdienten Ruhestand um die Welt touren. Jörg Wunder

O2 World, Mo 19.10., 20 Uhr, ab 38,50 €

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