POPGeorge Michael : Let it be!

George Michael ist der Ritter von der traurigen Gestalt im Popgeschäft. Dabei hat der britische Sänger längst alles erreicht: Mehr als 100 Millionen Platten als Solokünstler konnte er absetzen, er verfügt über ein geschätztes Vermögen von 90 Millionen Pfund, seine Hits haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Doch wie kein anderer Popstar scheint er gegen Windmühlen zu kämpfen: gegen die britische Presse, die Plattenfirmen und manchmal gegen sich selbst. George Michael wollte nie der Teeniestar sein, zu dem er sich in den Anfangsjahren instrumentalisieren ließ. Konnte er gar nicht, weil er spätestens Anfang der 90er-Jahre seine Homosexualität nicht mehr verstecken wollte. Seiner Plattenfirma Sony verweigerte er die Gefolgschaft, beim MTV-Spot zum Remake von „Freedom 90“ tauchte er nicht selbst auf, sondern arrangierte ein spektakuläres Defilee von Supermodels.

Es gehört zu den Tragödien seines Lebens, dass seine erste große Liebe 1993 an den Folgen von Aids starb und auf dem Höhepunkt seiner zweiten Solophase 1997 seine Mutter an Krebs dahinschied. 1998 wurde Michael bei dem Versuch, schwulen Sex auf einer Toilette in Los Angeles zu haben, verhaftet. Und mehrfach ließ sich der Sänger mit Drogen im Auto erwischen. „Patience“ heißt sein letztes Studioalbum von 2004, Gelassenheit möchte man auch George Michael wünschen. Und mehr Stolz auf seine Leistungen: Er hat die Allmacht eines Plattenmultis zermürbt, MTV die Stirn geboten - und als Schnulzenkönig sogar eine Anhängerschar unter den Indie-Fans gewonnen. Er darf den Kampf aufgeben - bevor es zu spät ist. Ulf Lippitz

O2 World, Mo 5.9., 20 Uhr, ab 66 €

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