POPIch + Ich : Sternenstaub

Jörg W er

Man könnte das Aufeinandertreffen von Annette Humpe und Adel Tawil mit einem Song von 2raumwohnung, der Band von Annettes Schwester Inga umschreiben: „Sie waren zwei von Millionen von Sternen“, die sich aber nicht voneinander entfernt, sondern 2002 in einem Berliner Tonstudio kennengelernt haben. Die damals 51-jährige frühere Ideal-Sängerin und das 28 Jahre jüngere Ex- Mitglied einer leidlich erfolgreichen Boygroup boten sich vordergründig nicht gerade als kommendes Pop-Traumpaar an. Doch die NDW-Eisprinzessin, die später als Autorin und Produzentin für Schwergewichte wie Udo Lindenberg und Die Prinzen aktiv war, und der HipHop- und R’n’B-sozialisierte Mädchenschwarm mit der einschmeichelnden Stimme ließen sich aufeinander ein und nannten sich Ich + Ich – angeblich, weil alle infrage kommenden Tiernamen schon belegt waren.

Verblüffender als die ungewöhnliche Konstellation ist aber der Erfolg des Duos. Schon das unbetitelte Debütalbum erreichte 2005 mit einer eingängigen Mischung aus behutsamem R’n’B, flockigem Dancefloorpop und nachdenklichen Texten Platin. Gleich drei Mal gelang ihnen dieses Kunststück mit dem 2007 erschienenen Nachfolger „Vom selben Stern“, womit sie zur ernsten Konkurrenz für Xavier Naidoo wurden. Selbst die letztjährige Ankündigung, dass Annette Humpe sich weitgehend aus dem Konzertbetrieb zurückziehen würde, konnte das Projekt nicht ins Wanken bringen. Solange sie so überzeugende Songs schreibt wie „Stark“ oder „Junk“ und Adel Tawil sein Charisma als löwenkehliger Soulbruder behält, braucht man sich um Ich + Ich wohl keine Sorgen zu machen.Jörg Wunder

O2 World, Mo 29.12., 20 Uhr, ausverkauft

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