POPNelly Furtado : Was vom Hit übrig blieb

Ein Weltstar wie Nelly Furtado im Huxleys, einem Konzertsaal für die Showbiz-Mittelgewichtsklasse – was ist da schiefgegangen? Ist das schon die finale Karrieredämmerung oder nur das Downsizing auf ein weniger hysterisches Niveau, wo die von den Nachstellungen der Yellow Press geplagte Celebrity auch mal wieder ohne Bodyguards shoppen gehen kann? Im Nachhinein ist die Dynamik gar nicht mehr so leicht zu verstehen, mit der die portugiesischstämmige Kanadierin Mitte des vergangenen Jahrzehnts für kurze Zeit in die Größenordnung von Beyoncé, Madonna und Shakira aufstieg. Natürlich war es hilfreich, dass Miss Furtado vor einem Millionen-TV-Publikum mit „Força“ den – ziemlich ballaballamäßigen – Eröffnungssong zur Fußball-EM 2004 singen durfte. Aber eigentlich war Nelly da trotz eines Karriereblitzstarts mit zwei Singles in den US-Top-10 noch ein hippieskes Soulfolk-Mäuschen und strahlte nicht gerade den Appeal einer kommenden Glamourdiva aus.

2006 hatte sie dann den richtigen Partner zur richtigen Zeit: Timbaland war seinerzeit der angesagteste Produzent für Dancefloor-Pop und brezelte Nellys drittes Album „Loose“ zur globalen Disco-Sause für die ganze Familie auf. 20 Millionen verkaufte Alben später ist Timbalands Ruhm verblasst, sind Nellys Superhits wie „Maneater“ oder „Promiscuous“ Geschichte. Und nach der überraschend gefloppten Latin-Pop-Platte „Mi Plan“ von 2009 verkaufte Nelly von ihrem letzten Album in den USA gerade noch ein Dreißigstel so viel wie von „Loose“. Eigentlich unverständlich, denn „The Spirit Indestructible“ ist perfekt designter Pop mit hohem Gebrauchswert: Musik, die einen gut gelaunt durch den Alltag tanzen lässt. Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, So 3.3., 20 Uhr, 42 € + VVK

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