POPStars : Schlafzimmerkriege

Jörg W er

Mit dem Begriff „Indie“ ist längst keine brauchbare Stildefinition mehr verbunden. So zählen die Stars zwar zur jüngeren kanadischen Independent- Szene, was schon durch personelle Überschneidungen mit einer Band wie Broken Social Scene gewährleistet ist, die in Bezug auf Organisation (offenes Kollektiv), und Vertriebsform (unabhängiges Plattenlabel) alle „Indie“-Kriterien erfüllt.

Die Musik der Stars hingegen klingt auf ihrem vierten Album „In our Bedroom after the War“ ganz und gar nicht „Indie“: Das Quintett aus Montreal kleidet Texte über zerbrechende Liebesbeziehungen in einen sagenhaft eingängigen, stellenweise fast glatt polierten Popsound, der sich furchtlos an Vorbildern wie Fleetwood Mac, Chumbawamba oder gar Elton John orientiert. Weil das Album schon vor Veröffentlichung als illegaler Download im Internet kursierte, sah sich die Band veranlasst, die Platte zwei Monate vor dem geplanten Termin herauszubringen. Auch das ein Problem, mit dem eigentlich eher Mainstreamkünstler zu kämpfen haben. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Stars den auf älteren Stücken wie „Ageless Beauty“ vorgezeichneten Weg zum perfekten Popsong hier nur konsequent zu Ende gehen. Dabei gelingen ihnen Uptempo-Heuler wie das fantastische „Take me to the Riot“ ebenso gut wie laszive White- Soul-Schleicher („The Night starts here“) oder aufgerüschte Balladen. Und mit Amy Millan und Torquil Campbell haben sie zwei perfekt miteinander harmonierende Stimmen, die den ohnehin starken Songs noch mehr Pop-Appeal verleihen. Ob „Indie“ oder nicht, diese Stars sollten tatsächlich welche werden. Jörg Wunder

Kesselhaus, Di 12.2., 20 Uhr, 15 € + VVK

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