POPThe Beach Boys : Forever Young

Das wir das noch erleben dürfen! Lange Jahre war ein Comeback der Beach Boys so wahrscheinlich wie eine Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea. Zu tief schienen die Gräben, zu unversöhnlich die Zerwürfnisse zwischen den ewigen Antipoden der Band: dem scheuen, an sich und der Welt verzweifelnden Genie Brian Wilson (2. v. li.) und dem von keinerlei Selbstzweifeln angekränkelten Mike Love (Mitte), einem dominanten Pragmatiker, der in der fragilen Familienkonstellation – Love ist Cousin der Wilson-Brüder Brian, Dennis und Carl, außerdem gehörte Nachbar Al Jardine (2. v. re.) von Anfang an dazu – oft wie der Elefant im Porzellanladen auftrat. Nun sind Dennis und Carl schon lange tot, aber ihr Geist weht durch die neuen Aufnahmen, bei denen Bruce Johnston (li.) und David Marks (re.) in ihre Fußstapfen traten.

Das Ergebnis des späten Waffenstillstands ist von erlesener Qualität. Abgesehen von den dezent modernisierten Arrangements, könnte „That’s why God made the Radio“ aus jener Phase der Band stammen, die manche Fans für ihre interessanteste halten: als die Strandidylle schon zerbrochen und Brian nach dem Scheitern des „Pet Sounds“- Nachfolgers „Smile“ in die innere Emigration gegangen war, aber noch genügend Schaffenskraft besaß, um der Fertigstellung gebrochener Meisterwerke wie „Surf’s Up“ (1971) oder „Holland“ (1973) nicht im Wege zu stehen. Hier findet man sie wieder, Brians von einer ozeanweiten Melancholie durchflutete Melodien, die durch die engelsgleichen Stimmen dieses begnadeten Männergesangsvereins in perfekten Pop transzendiert werden. Vor 40 Jahren war das die schönste Musik der Welt – manchmal ist sie das heute noch.Jörg Wunder

O2 World, Fr 3.8., 20 Uhr, ab 44 €

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