Zeitung Heute : Portugal – Frankreich

Halbfinale, WM-Stadion München 21.00 Uhr, live in der ARD und bei Premiere

-

Der Architekt aus Brasilien war nicht immer beliebt im Land, doch nun hat sein Erfolg die Kritiker von einst in eine Schar lieblich tönender Flötisten verwandelt. Luiz Felipe Scolari hat nach seinen Plänen eine stabile Mannschaft erbaut, die schon jetzt die Erwartungen übertroffen hat. Die öffentliche Meinung in Portugal hat sich daher gedreht, das Misstrauen gegen den kauzigen Brasilianer ist Hochachtung gewichen. Mittelfeldstar Luis Figo, anfangs wenig begeistert von Scolari, hat soeben seinem Fußballverband nahe gelegt, Scolaris auslaufenden Vertrag zu verlängern; der sonst sehr kritische Jose Mourinho lobt: „Es gibt nicht viele Trainer, die solche Bilanzen vorweisen und ein Team so motivieren können, dass es auf diesem Level spielt.“ Mourinho sollte wissen, wovon er spricht. Er trainiert die Weltauswahl des Londoner Milliardärsklubs Chelsea.

Präzise Vorbereitung, Disziplin und Gemeinschaft bilden das Fundament, auf dem Scolaris Gebäude steht: eine Mannschaft, die nicht so schön spielt wie in der Vergangenheit, dafür aber effizienter. Dabei kamen manche Spieler in ihren Klubs kaum zum Einsatz – Scolari hat ihnen dennoch vertraut. Nun danken sie es ihm. Mittelfeldmann Maniche, seit zwei Jahren in der Krise, spielte überragend, als es im Achtelfinale gegen die Holländer erstmals eng wurde. Er schoss das Siegtor. Im Viertelfinale gegen England machte Torwart Ricardo, bei seinem Verein Sporting Lissabon zuletzt nicht immer erste Wahl, den Unterschied aus. Er hielt drei Elfmeter.

Jetzt kommt Frankreich – mit einem Trainer, der dank jüngster Erfolge ebenfalls dabei ist, das Bild zu korrigieren, das man sich von ihm gemacht hat. Die Franzosen schleppten sich durch die Vorrunde, der ohnehin unbeliebte Raymond Domenech wurde in der Heimat harsch kritisiert. Domenech hielt dennoch an seinen alten Herren fest, sechs seiner Spieler holten schon 1998 den Titel. Der Sieg gegen Spanien war dann überzeugend, der gegen den Favoriten Brasilien eine einzige Galavorstellung vor allem Zinedine Zidanes.

„Brasilien ist nur eine mitreißende Etappe gewesen“, sagt Domenech trocken. Heute kann er mit seiner besten Elf spielen. Die war bisher sehr defensivstark, im Mittelfeld technisch sehr gut und imponierend fit. Zudem haben die Franzosen gute Erinnerungen an das letzte wichtige Duell gegen Portugal: Im EM- Halbfinale 2000 gewannen sie durch ein „Golden Goal“, einen Elfmeter Zidanes. Scolari kann die wichtigen Mittelfeldspieler Deco und Costinha wieder einsetzten, die gelbgesperrt waren. Dagegen konnten Kapitän Figo und Stürmer Ronaldo wegen Blessuren nicht trainieren, sollen aber spielen können. Fällt Figo aus und Portugal scheitert, geht eine Ära zu Ende: Figo will nach der WM aufhören.

Schiedsrichter:

Jorge Larrionda (Uruguay)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben