Zeitung Heute : Post-Chef als Steuerbetrüger unter Verdacht

Hat Zumwinkel eine Million Euro hinterzogen? 64-Jähriger nach Haftbefehl auf Kaution frei

Carsten Brösntrup[Nils Sorge] Jürgen Zurheide

Köln/Düsseldorf/Berlin - Einer der einflussreichsten und dienstältesten deutschen Manager, Post-Chef Klaus Zumwinkel, muss sich wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bochum führt Ermittlungen gegen ihn und weitere, nicht benannte Verdächtige.

Zumwinkels Villa in Köln-Marienburg und seine Büroräume im 40. Stock der Bonner Konzernzentrale wurden am Donnerstag im Morgengrauen durchsucht. Gegen Mittag brachte die Polizei den 64-Jährigen zu Vernehmungen, wo er nach offiziellen Angaben ausführlich aussagte. Er bleibt auf freiem Fuß: Ein Haftbefehl gegen ihn wurde gegen eine Kaution „in nicht unerheblicher Höhe“ außer Vollzug gesetzt. Ihm wird vorgeworfen, Millionenbeträge am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust zu haben.

Zumwinkel führt die Post seit 18 Jahren und amtiert damit länger als die Chefs aller übrigen Dax-Unternehmen. Der mehrfach ausgezeichnete Manager, der auch den Aufsichtsrat der Telekom leitet, war zuletzt im Dezember wegen des Verkaufs eigener Post-Aktien in die Kritik geraten: Kurz nach der Einigung über den von ihm maßgeblich geforderten Mindestlohn in der Postbranche nutzte er den Kursanstieg der Post-Aktie und erlöste rund 2,24 Millionen Euro.

Der aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Manager will ohnehin zum Jahresende aus Altersgründen abtreten. Ein vorzeitiger Rücktritt wurde aber dementiert. „Der gesamte Vorstand inklusive seines Vorsitzenden Dr. Zumwinkel ist vollständig handlungsfähig und führt seine Geschäfte wie gewohnt fort“, hieß es in einer Erklärung der Post. Ein Nachfolger steht allerdings schon bereit: Der 46-jährige Frank Appel ist seit 2002 Logistik-Vorstand des Konzerns und genießt das Vertrauen der Gewerkschaften und der Bundesregierung, die noch immer größter Einzelaktionär ist. Die Börse begrüßte den absehbaren Führungswechsel: Die Post-Aktie schloss knapp drei Prozent im Plus. Dagegen sackte der Kurs der Postbank deutlich ab: Der Konzern will eigentlich im Frühjahr über den Verkauf der Tochter entscheiden, da tut Unsicherheit nicht gut. Die Bundesregierung und führende Politiker unterstrichen, dass für Zumwinkel die Unschuldsvermutung gelten müsse. Doch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) legte ihm den Rücktritt nahe. „Wenn sich das Verfahren hinzieht, sollte Zumwinkel sein Amt einem Nachfolger übergeben. Die Post muss jemanden haben, der strategische Entscheidungen fällen kann.“

Die Staatsanwaltschaft Bochum wird in ihren Ermittlungen von mehreren Steuerfahndungsstellen und der Kriminalpolizei unterstützt. Es gehe um den Verdacht „der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Geldanlagen in Liechtenstein“, heißt es in einer Erklärung der Ermittler. „Der Beschuldigte steht in dem Verdacht mittels Geldanlagen in Liechtensteinische Stiftungen Steuern in einer Größenordnung von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben.“

Insgesamt sollen etwa zehn Millionen Euro unversteuert auf den Konten der Stiftungen gelandet sein. Der Zufall half den Ermittlern – ein anonymer Hinweis schickte sie zunächst auf die Spur eines anderen Mitglieds der Familie. An Hand von Kontounterlagen und Akten aus Liechtenstein geht nach Auffassung der Ermittler aber hervor, dass auch der Post-Chef Steuern hinterzogen hat.

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