POST ROCKMaps & Atlases : Anders als die Blumenkinder

Wer seine Band Maps & Atlases, also „Landkarten und Atlanten“, nennt, hat eher keinen Masterplan für die Pop-Karriere in der Hinterhand. Tatsächlich ist das 2004 gegründete Quartett aus Chicago – wobei nur Bassist Shiraz Dada (2. von links) aus der „Windy City“ stammt, die anderen aus Texas, Philadelphia und Hawaii – nach fünf EPs und dem 2010 veröffentlichten Debütalbum „Perch Patchwork“ noch ein Geheimtipp. Die Chancen, dass sich das mit dem Nachfolger „Beware & be grateful“ ändert, sind gering. Wofür es Gründe gibt: Maps & Atlases sind bei einem kleinen Indie-Label unter Vertrag, und vor allem passen sie in kein gängiges Hipster- Muster: kein vollbärtiger Freak Folk (obwohl Sänger Dave Davison, vorne, am passenden Look arbeitet), kein Synthie-Pop, kein Blumenkinder-Revival- Sound. Stattdessen offensive Uneindeutigkeit, was manchmal klingt, als würden die frühen Talking Heads Paul Simons „Graceland“ interpretieren.

Die verhaltene Resonanz auf „Beware & be grateful“ lässt befürchten, dass mal wieder keiner richtig hinhört. Ein Fehler, denn hier wächst etwas heran. So ist der spröde Math Rock früher Tage um einen Pop-Appeal bereichert worden, der ihre Songs zugänglicher macht. Dabei reichen die Einflüsse von den melodischen Wonnen der Beach Boys bis zu den rhythmischen Afrobeat-Explosionen eines Fela Kuti. Und der Wahnsinn steckt bei Maps & Atlases im Detail. Wie sie etwa das synkopierte „Silver Self“ mit einem zweiminütigen, sensationellen Gitarrensolo ausklingen lassen, hat man so noch nicht gehört. Und wie lässig sie mit „Fever“ eine Hymne von Kings-Of-Leon-Format, aber in besser, aus dem Ärmel schütteln, soll ihnen mal einer der hippen Jungspunde nachmachen. Jörg Wunder

Bi Nuu, Do 26.4., 21 Uhr, 15 €

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