Zeitung Heute : Potsdams zweiter Frühling

Rund ums Gelände der Bundesgartenschau entsteht eine kleine Stadt im Grünen – im Angebot sind Eigentumswohnungen, Häuser und Grundstücke

Bernd Hettlage

IMMOBILIEN SPEZIAL: DAS BORNSTEDTER FELD

Durch den Park der früheren Bundesgartenschau kurven die Skater. Am Eingang weisen Schilder darauf hin, dass man Eintritt bezahlen muss: seit dem 1.Mai ein Euro. Doch an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag locht niemand die Karten, obwohl die Schilder Kontrollen ankündigen. Aus der Biosphäre, dem Tropenhaus, dringen Urwaldgeräusche und Stimmen. Gegenüber hält eine voll besetzte Straßenbahn. Die Gesichter hinter den Scheiben sehen müde aus, vielleicht Pendler, die sich nach einem langen Arbeitstag auf der Heimfahrt zu ihren Wohnungen im Bornstedter Feld befinden.

Das neue Quartier in Potsdams Norden wirkt wie eine verschlafene Vorstadt. Schachbrettartige Straßenmuster, wo Reihenhäuser, bunte Wohnwürfel mit Balkons oder alte, umgebaute Kasernengebäude zwischen Bäumen und weiten Rasenflächen das Bild prägen. Die einzelnen Viertel liegen ein ganzes Stück auseinander, umgeben von Wiesen und Brachen. Viele gruppieren sich rund um das Buga-Gelände. Straßen und Trambahnschienen verbinden sie. Die Parkplätze sind voll, Menschen sind jedoch kaum zu sehen. Läden und Restaurants auch nicht.

Hoch fliegende Pläne hatte die Stadt Potsdam Mitte der 90er Jahre mit dem Bornstedter Feld. Nach 250 Jahren militärischer Nutzung sollte zwischen Nedlitzer Holz und Jungfernsee ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Noch vor dem endgültigen Abzug der Roten Armee im Jahr 1994 schmiedete man Konzepte für die zivile Nutzung. 7500 Wohnungen und Häuser für 17000 Menschen sollten entstehen und 5000 Arbeitsplätze. Potsdam wollte damit die Flucht kaufkraftstarker Einwohner aufhalten. Acht Prozent ihrer ehemals 140000 Einwohner verlor die brandenburgische Hauptstadt seit der Wende. Zum Jahr 2001 holte man sogar die Bundesgartenschau ins Bornstedter Feld. Der Buga-Park mit seinen großen Grün- und Erholungsflächen sollte der Mittelpunkt des neuen Stadtviertels sein.

Nur ein Teil der Pläne sind Wirklichkeit geworden. 3000 bis 3500 Menschen wohnen heute hier, schätzt Volker Härtig, Geschäftsführer des städtischen Entwicklungsträgers Bornstedter Feld GmbH. Schulen und Kindergärten hat man gebaut, und die Straßenbahn bringt die Bewohner in zehn Minuten in die Innenstadt. Rund um den Park sind aus Kasernen Wohnquartiere geworden. In alte Offizierswohnungen zogen Familien und vor den Reihenhäusern spielen Kinder. Doch nicht vor allen. Die Wirtschafts- und Immobilienflaute in Berlin und Brandenburg hat längst auch das Bornstedter Feld erreicht. Zwar hat der Entwicklungsträger mittlerweile die Hälfte der Baufelder verkauft, „doch davon ist wiederum erst die Hälfte bebaut“, sagt Härtig.

Entstanden sind bisher rund 1600 Wohneinheiten. Härtig wäre froh, wenn in Zukunft 100 bis 150 neue Einfamilienhäuser im Jahr hinzukämen. Um den Verkauf der Grundstücke anzukurbeln, will man sie jetzt nicht mehr nur an gewerbliche Bauträger, sondern auch an Einzelerwerber abgeben. Etwa 170 Euro pro Quadratmeter müssen die dann in der „Gartenstadt“ im nördlichen Bornstedter Feld bezahlen. Damit kein Wildwuchs entsteht, will man den privaten Bauherren gewisse Vorgaben machen zur Traufhöhe und zum Stand der Gebäude an der Straße. „Wir sind da aber nicht rigide“, so Härtig. Man habe auch mit Fertighausherstellern, Bauträgern und Architekten gesprochen und in einem Auswahlverfahren zwei Dutzend Haustypen ausgesucht, die man den Käufern jetzt zur Orientierung anbiete.

Neben dem Verkauf an Endnutzer will die Bornstedter Feld GmbH künftig auch selbst als Projektentwickler tätig werden. „So geht ein kommunaler Entwicklungsträger sonst nicht vor“, sagt Härtig. Doch bei einem Verkaufspreis von 2000 Euro pro Quadratmeter verdienten gewerbliche Bauträger derzeit kein Geld und bauten daher nicht selbst. Zudem seien die Banken mit der Baufinanzierung bekanntlich sehr vorsichtig.

Am zweiten Baufeld des Quartiers „An der Vogelweide" wird gearbeitet. Im ersten Bauabschnitt entstanden unter Federführung der Firma „complan“ ein Miethaus mit sieben behindertengerechten Wohnungen. Außerdem errichtete eine Bauherrengemeinschaft neun Einfamilienhäuser. „Wir wollten damit eine soziale Mischung in der Siedlung erreichen“, sagt complan-Geschäftsführer Hathumar Drost. Complan suchte erst die Interessenten für die Häuser und ließ sie dann gemeinsam bauen. Der Vorteil für die Bauherren: Sie bestimmten Ausstattung und Größe ihrer Domizile und damit auch deren Preis. Außerdem wurden die Kosten für einen Bauträger gespart.

So würde man auch gerne beim zweiten Bauabschnitt verfahren. Die Mietwohnungen im ersten Feld wurden jedoch mit Fördergeldern errichtet. Die gibt es jetzt nicht mehr. Daher sollen im Mehrfamilienhaus diesmal Eigentumswohnungen entstehen. Die künftigen Bauherren der Einfamilienhäuser kaufen die Grundstücke direkt vom Entwicklungsträger Bornstedter Feld, der auch die Vermarktung übernehmen soll. Mietwohnungen mit Fördergeldern errichten derzeit die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Potsdam (Gewoba) und die neu gegründete Genossenschaft Gebeg eG an der Georg-Herrmann-Allee und der benachbarten Carl-Christian-Horvath-Straße. Wer diese Wohnungen mieten will, benötigt einen einkommensabhängigen Wohnberechtigungsschein (WBS).

Die Gebeg nennt ihre drei Häuser mit 51 Wohnungen „Pappel-Carré“. Im April feierte sie Richtfest, im August sollen sie bezugsfertig sein. „17 der 51 Wohnungen sind schon weg“, sagt Andrea Gabler. Sie ist für die Vermietung zuständig. Die Gebeg ist eine Gründung des genossenschaftlichen Prüfungsverbands BBT aus Berlin. Die Mieter müssen innerhalb des ersten Jahres eine Einlage von 17400 Euro bezahlen und erhalten dafür ein Dauerwohnrecht. Wohl auch deshalb interessieren sich hauptsächlich ältere Ehepaare für die Wohnungen, die sich hier ihren Alterswohnsitz einrichten wollen.

Auch für das Bornstedter Feld gilt heute: Wer der Immobilienkrise trotzen will, muss sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Informationen über das Bornstedter Feld, die Investoren und Bauten im Internet unter www.bornstedter-feld.de oder telefonisch: (0331) 27 19 80.

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