Zeitung Heute : Prävention ist das Wichtigste

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Betrifft: Wann soll man handeln?

Wann endlich werden die Menschen, Politiker genauso wie Betroffene, begreifen, dass diese Taten sich mit Gesetzesänderungen nicht verhindern lassen? Nicht indem man beispielsweise jugendliche Straftäter schon beim ersten kleinen Vergehen hinter Gitter steckt, werden Probleme gelöst. Delinquenz und Kriminalität sind Ausdruck von Schwierigkeiten, die Kinder und Jugendliche mit unserer Gesellschaft haben, mit den Familien, in denen sie leben, mit ihrer eigenen Mitte, die sie aus einer Vielzahl von Gründen häufig nicht mehr ausmachen können.

Prävention ist gefragt, erhöhte Aufmerksamkeit in Richtung der Faktoren, die zu Katastrophen wie der in Erfurt führen, genauso wie in den USA und in Großbritannien. Deutschland muss sich lösen vom Feuerwehrprinzip des Re-Agierens, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Hierzu ist es notwendig zu begreifen, dass Prävention lediglich auf den ersten Blick - und nur auf den ersten Blick - mehr kostet als Krisenintervention. Was auf Dauer nämlich Haft- und Heimplätze, Therapien und erlebnispädagogische Maßnahmen kosten, kann man relativ leicht ausrechnen. Mehr als Prävention. Und ob diese Maßnahmen den angerichteten Schaden auch nur annähernd wieder beheben können, sei dahingestellt. Für die Menschen in Erfurt kommt diese und die Frage nach Intervention jedenfalls zu spät.

Matthias Siebert, Düsseldorf

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