Praxisführer (Teil 2) : … und es werde Laser

Augenleiden lassen sich auch mit Lichtstrahlen behandeln – noch wird die Technik von wenigen genutzt.

Hannes Heine
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Gebündelte Lichtstrahlen wirken punktgenau wie ein Schweißgerät. Foto: ddpddp

Wie häufig sind Augenleiden?


Fast jeder zweite Mensch hat eine Fehlsichtigkeit. Hinzu kommen Bindehautenzündungen. Schwere Erkrankungen,die auch in Berliner Praxen behandelt werden, sind neben Grauem Star das sogenannte Glaukom, auch Grüner Star genannt, und die Makuladegeneration.


Was ist eine Makuladegeneration?

Bei der Makuladegeneration ist eine 1,5 Millimeter große Stelle der Netzhaut geschädigt, die für das scharfe Sehen zuständig ist. Diese Stelle wird auch „gelber Fleck“ genannt. Meist altersbedingt sterben dort die lichtempfindlichen Zellen nach und nach ab. Betroffene können nicht mehr scharf sehen. Daran leidet knapp jeder Vierte der über 65-Jährigen. Besonders die sogenannte feuchte Form der Makuladegeneration kann zum Erblinden führen. Dabei bilden sich störende Minigefäße auf der Netzhaut. Nach Schätzungen des Blinden- und Sehbehindertenverbandes erhalten wöchentlich fast 1000 Menschen in Deutschland diese Diagnose. Der Arzt spritzt dann mehrfach ein Medikament in den Augapfel, um den Sehverlust zu stoppen. Für gesetzlich Versicherte gebe es darauf jedoch keinen geregelten Anspruch, klagt der Blinden- und Sehbehindertenverband. Der Preis des Medikaments wurde von den Herstellern um ein Vielfaches erhöht, begründen dies Versicherungsexperten. Man werde sich aber bald mit der Pharmaindustrie einigen. Makuladegeneration kann auch mit einer Photodynamischen Therapie bekämpft werden: Dabei wird ein lichtempfindlicher Stoff in den Körper gespritzt, der sich in den störenden Gefäßen im Auge anreichert. Der Stoff wird durch kalten Laser aktiviert: Er verschließt die Gefäße, sie sterben ab.


Was ist Grüner Star?

Grüner Star wird auch Glaukom genannt. Schätzungsweise eine Million Deutsche sind vom Grünen Star betroffen. Ein Viertel aller Blinden ist dadurch erblindet. Ein bestimmter Druck im Augeninneren ist notwendig, damit das Auge seine kugelige Form behält. Den Druck erzeugt das Kammerwasser. Ist der natürliche Abfluss des Kammerwassers aber behindert, steigt der Augeninnendruck – ohne das der Betroffene das merkt. Durch zu hohen Druck auf den empfindlichen Sehnerv kann dieser absterben. Der richtige Augendruck ist individuell hoch, er muss durch viele Kontrollen bestimmt und dauerhaft gesenkt werden. Reichen Tropfen nicht, können Laser winzige Kanäle in das Auge brennen, durch die überflüssiges Kammerwasser abfließt.


Wie funktioniert ein Lasereingriff?

Laserstrahlen arbeiten in Bereichen weit unter einem Tausendstelmillimeter. Lasereingriffe sind nahezu schmerzfrei, unblutig und dauern oft nur 15 Minuten. Mit winzigen Hitzelasern schweißen Augenärzte seit 30 Jahren etwa Netzhautablösungen an. Später wurden Kaltlichtlaser zur Korrektur von Kurz- und Weisichtigkeit eingesetzt. Ein moderner Laser kostet etwa 300 000 Euro. „Eine gute Praxis sollte für die verschiedenen Methoden zwei Laser haben“, sagt der Berliner Operateur Bernhard Febrer Bowen. Einen Femtolaser und einen Excimerlaser, der im UV-Bereich arbeitet.

Was tun bei Kurz- und Weisichtigkeit?

Durch Laser können Fehler der Brechkraft, die für Fehlsichtigkeit verantwortlich sind, korrigiert werden. Jedes Jahr lassen rund 100 000 Deutsche ihre Fehlsichtigkeit per Laser korrigieren – wenig bei hierzulande 50 Millionen Brillenträgern. Drei Methoden werden unterschieden: Für das Lasik-Verfahren hebt ein winziges Skalpell ein dünnes Scheibchen von der oberen Hornhautschicht und klappt es zur Seite. Nun kommt der Laser zum Einsatz, der die darunterliegende Hornhaut korrigiert. Ist ein Patient kurzsichtig modelliert der Laser quasi eine Minuslinse in die Hornhaut: Der Arzt entfernt in der Mitte etwas mehr, am Rande weniger Gewebe. Der Hornhautwölbung wird also flacher. Das verlegt den Brennpunkt. Nach dem Eingriff legt der Operateur die angehobene Lamelle wieder drüber. Der Hautdeckel saugt sich an und wächst wieder fest. Das Femto-Lasik-Verfahren setzt statt des Skalpells den noch präziseren Femtosekunden-Laser ein. Dieser Laser erzeugt im Gewebe mehrere Millionen winziger Gasbläschen. Sie heben die oberste Schicht an. Das Lasek-Verfahren wiederum arbeitet mit Kaltlichtlaser direkt auf dem äußersten, empfindlichen Bereich der Hornhaut. Lasek setzt man heute vor allem dann ein, wenn die Hornhaut für den Lamellenschnitt der Lasik-Technik ungeeignet ist, aber dick genug für die angestrebte Korrektur. Es entstehen Wunden, die aber nur in den ersten Tagen schmerzen.


Was spricht gegen einen Lasereinsatz?

In rund 90 Prozent der Fälle können Patienten nach dem Eingriff mindestens genauso gut sehen, wie mit der bestmöglichen Sehhilfe. „Erwartungen nach perfektem Sehvermögen sind unrealistisch, solche Versprechungen sind unseriös“, warnen Experten. Trotz aller Präzision ist in einigen Fällen eine Nachbehandlung zur Feinkorrektur nötig. Grundsätzlich raten Ärzte bei schweren Hornhauterkrankungen, Rissen in der Netzhaut oder Rheuma von Lasertherapien ab. Jedem Interessierten sollte bewusst sein, dass eine Laserbehandlung die Form der Hornhaut für immer verändert. Sie kann nicht rückgängig gemacht werden.


Welche Kosten entstehen?

Lasereingriffe kosten etwa 2000 Euro. Privatkassen übernehmen davon einen Teil. Die gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlen die Eingriffe nicht, was auch für Brillen gilt. Hannes Heine

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