Zeitung Heute : Preise im Überfluss

Bernd Hops

Der Ölpreis ist auf den höchsten Wert seit sieben Monaten gestiegen. Die Opec – die Organisation Erdöl exportierender Länder – sagt, sie könne nichts dagegen unternehmen. Stimmt das?


Der Preis für Erdöl hat Rekordniveau erreicht. Ein Barrel der Nordseesorte Brent (159 Liter) kostet inzwischen mehr als 70 Dollar. Und kaum ein Experte erwartet, dass sich die Lage schnell entspannt. Trotzdem ist Öl nicht knapp. Die Lagerbestände in den USA sind zum Beispiel sehr viel üppiger als in den vergangenen Jahren zur gleichen Jahreszeit. Fast 350 Millionen Barrel haben die Amerikaner auf Lager.

Die Opec, die Organisation Erdöl exportierender Länder, weist deshalb alle Schuld von sich. Der Ölminister von Katar, Abdullah al Attijah, sagte am Wochenende: „Ich glaube, dass der Preis zu hoch ist, aber es gibt nichts, was wir dagegen tun könnten.“ Tatsächlich hatten die Opec-Staaten, die für rund 40 Prozent der weltweiten Ölförderung stehen, zur Jahreswende die Produktion noch einmal gesteigert. Nur wurde das zusätzliche Angebot von den Verbraucherländern kaum in Anspruch genommen, wie Ölmarktexperten berichten. Auch im vergangenen Jahr fand nur ein kleiner Teil des Öls Käufer, das aus den strategischen Reserven der Industriestaaten nach den verheerenden Wirbelstürmen im Süden der USA auf den Markt gebracht wurde.

Anlass für Spekulationen am Ölmarkt gibt es trotzdem genug. Aktuell sorgen der Atomstreit mit Iran und angebliche Angriffspläne der USA für genügend Gesprächsstoff. Denn auch wenn aktuell mehr Öl gefördert als tatsächlich verbraucht wird, so ist der Spielraum für mögliche Produktionsausfälle relativ knapp. Sollten etwa Iran oder auch Nigeria, wo die Spannungen im Hauptfördergebiet zugenommen haben, komplett den Export einstellen, wäre das Polster sofort aufgebraucht. Die übrigen Produzenten könnten die Lücke durch eine gesteigerte Förderung nicht füllen.

Interessant ist, ab welchem Preisniveau sich die Opec beunruhigt zeigt. Ölminister al Attijah sagt, er werde ab 60 Dollar besorgt. Denn wenn Energie zu teuer ist, leidet die Konjunktur der Verbraucher und dadurch auch die Nachfrage nach Öl. Vor wenigen Jahren allerdings hatte die Opec noch einen Preis von 22 bis 28 Dollar als Ziel ausgegeben.

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