Zeitung Heute : Preisvergleich (Kommentar)

Joachim Huber

Nein, so war das nicht beabsichtigt. Dass Peter Voß, der ARD-Vorsitzende im Kampfanzug, sich nicht einfach über die zahlreichen Grimme-Preise für den Verbund aus erstem und dritten Programmen plus Arte freuen kann, sondern mehr noch darüber jubelt, dass das Privatfernsehen nur ein einziges Mal ausgezeichnet wurde. "Mit Billigangeboten ist nun mal kein Grimme-Preis zu holen", tut Voß kund. Nun ist ein Peter Voß, der höhnt, auszuhalten. Weniger stoisch muss die Reaktion auf das Verhältnis 16-zu-eins-Grimme-Preise für das öffentlich-rechtliche Fernsehen ausfallen. Selbst unter dem Gesichtspunkt, dass Grimme Qualität und nur Qualität belohnt, stimmt das Verhältnis nicht. 16 Mal mehr Qualität, 16 Mal besseres Fernsehen bei ARD, Arte und ZDF? Immerhin, auch die öffentlich-rechtlichen Produktionen blieben ohne Surplus - kein Grimme in Gold. Die Preis-Jurys sind zu wesentlichen Teilen mit Fernsehkritikern besetzt. Vielleicht weist die Margen-Verteilung zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Auszeichnungen auf eine leichte Sehunschärfe in der Gilde hin. Vielleicht übersehen die professionellen Beobachter, darin nicht unähnlich ihren Cineasten-Brüdern von der Filmkritik, die Qualität des Marktgängigen. Über das gesamte Fernsehjahr 1999 verteilt soll, nur zum Beispiel, bei den Fernsehfilmen und TV-Movies von Pro 7, RTL und Sat 1 nichts Ausgezeichnetes gelaufen sein? Der Grimme-Preis 2000 belegt überzeugend, dass 1999 ein durchschnittliches Fernsehjahr war. Auch bei der Fernsehkritik.Der Autor war Mitglied der Jury "Spezial"

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