Zeitung Heute : PREUSSEN LEBT

Der Tagesspiegel

Preußen ist untergegangen. Unsere Serie zeigt, wo der Name dennoch lebendig ist.

Der König war ratlos. „Woher kommen denn alle diese Bankrotte?“ Zumindest der Auslöser war bekannt. Nach dem Zusammenbruch des Amsterdamer Bankhauses de Neufville Ende Juli 1763 war die europäische Wirtschaftswelt in Aufruhr geraten, und die Pleitenwelle schwappte bis nach Berlin. Auch Johann Ernst Gotzkowsky, Bankier, Kaufmann, Unternehmer und Berater des Königs, stand das Wasser bald bis zum Halse.

Rettung erhoffte sich Friedrich II. von einem neuen Sondergericht für Wechselbankrotte. Auch Gotzkowsky wollte er gerne helfen, nicht ohne eigenes Interesse. Von den 500 000 Talern, die der Geschäftsmann am 24. August 1763 zugesagt bekam, waren 265000 Taler der Kaufpreis für seine Porzellanfabrik. Geholfen hat es ihm nicht mehr.

Die Manufaktur war 1751 von Caspar Wilhelm Wegely gegründet und von Gotzkowsky ü bernommen worden. Der König hatte sich für die Fabrik interessiert, um der Meißener Porzellanmanufaktur Konkurrenz machen zu können. Seither heißt das Unternehmen Königliche Porzellan-Manufaktur und trägt als Markenzeichen das königsblaue Zepter. Die Wegelystraße in Charlottenburg sowie die Gotzkowkskystraße und -brücke in Moabit erinnern an die Vorbesitzer. ac

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