Zeitung Heute : "Prima Klima": Snowboard oder Motorrad

Wilhelm Hüls

In der Schöneberger Hauptstraße fällt ein herkömmlicher Reisebüroladen nicht auf. Davon gibt es links und rechts des Weges einfach genug. Da müssen schon außergewöhnliche Angebote die Kunden anlocken. Bei "Prima Klima" sind es vor allem Ferienhäuser auf den Liparischen Inseln und Sizilien sowie Motorradrundreisen im Himalaya und Südindien, mit denen der Veranstalter bundesweit auf sich aufmerksam macht.

Das Unternehmen besteht seit 1982. Auf die langjährigen Erfahrungen weist der Veranstalter in den Katalogtexten immer wieder hin. Für den laufenden Winter und das kommende Jahr gibt es vier Broschüren: Ski/Snowboard in den Alpen, Motorradreisen, Liparische Inseln und Zypern.

"Von den alpinen Skigebieten einmal abgesehen, sind es überwiegend Sonnenziele mit einem prima Klima", erläutert der für Tourismus verantwortliche Gesellschafter Sven Sutter den Bezug zum Firmennamen. Während seiner Studienzeit jobbte er im Winter in Bormio in Italien als Skilehrer. Kein Zufall also, dass der Wintersportort im Dreiländereck Italien / Schweiz / Österreich heute die wichtigste "weiße" Destination des Veranstalters mit eigener Snowboard- und Skischule ist.

Prima Klima Reisen ist ein Spezialanbieter mit jährlich etwa 150 Teilnehmern an den Motorradtouren, mit 500 Gästen auf Zypern, mit 800 Buchungen für die Liparischen Inseln und mit 1500 Ski- und Snowboardfans aus Berlin, die im Prima-Klima-Bus in die Alpen fahren. Der firmeneigene Fuhrpark zählt 19 Busse, die aber nur im Winter im eigenen Auftrag unterwegs sind, in der übrigen Zeit werden sie vermietet. Bis Anfang April starten Prima-Klima-Busse freitags um 18 Uhr am Bahnhof Zoo nach Bormio, Livigno, Saas Fee und Nauders. Für die Unterkunft in Bormio stehen zehn Hotels zur Auswahl. "Bormio ist für mich ein idealer Wintersportort", erklärt Sven Sutter, "weil einerseits die Bettenkapazität im Ort vergleichsweise niedrig ausfällt und andererseits aber die Liftkapazität hoch ist."

Auf Zypern hat sich Prima Klima auf das abseits vom Massentourismus gelegene Städtchen Polis spezialisiert.

Der neue Motorradreisen-Katalog belegt, dass das Prima Klima Team spezielle Ideen für all jene liefert, die in fernen Ländern auf staubigen Pisten unterwegs sein wollen. Zum Beispiel in Südindien mit den legendären Royal Enfield Motorrädern. Maschinen mit 500 Kubikzentimetern Hubraum, Trommelbremse und Kickstarter. Fast immer für eine Überraschung gut sind Schaltung und Fußbremse "verkehrt herum" - die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien lässt grüßen. Die Südindientour dauert zwei Wochen und kostet in der zweiten Januarhälfte knapp 3800 Mark und rund 3400 Mark für die Frau oder den Mann auf dem Sozius. Die Beifahrer können übrigens unterwegs jederzeit in den Begleitbus umsteigen.

Auf jeder Motorradrundreise, die der Veranstalter auch in Nepal, Südafrika, Costa Rica und auf Zypern anbietet, sind maximal zehn Teilnehmer dabei. Das Durchschnittsalter der Biker liegt bei 50 Jahren. Das ist angesichts der hohe Gesamtreisekosten von 6000 bis 7000 Mark nicht überraschend.

An das jüngere Publikum versucht der Veranstalter über ein Biker-Camp heran zu kommen, das jährlich Anfang September in Pilsen in Tschechien veranstaltet wird. Im vergangenen Herbst trafen sich dort etwa 200 Leute, von denen einige als "Abenteurer" auf der Leinwand zu bewundern waren, als die Videos von den letzten Reisen abgespielt wurden. Das soll neue Kunden anlocken.

Wirtschaftlich betrachtet, geht es dem Unternehmen zwar nicht schlecht, aber auch nicht gerade rosig. Nur mit dem - aus jährlich etwa 3000 Buchungen - erzielten Veranstalterumsatz könnte das Unternehmen nicht überleben. Deshalb betreibt man auch ein Reisebüro. Fast alle großen deutschen Marken sind dort im Angebot. Für das Jahr 2000 rechnet Sutter mit etwa zehn Millionen Mark Umsatz. Davon entfallen 7,5 Millionen auf die "hausgemachten" Reisen und das Busgeschäft.

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