Zeitung Heute : Private Investoren für den Wiederaufbau gesucht

Ralf Schönball

Auf der Mipim in Cannes lockt Berlin als KulturstadtRalf Schönball

Im elften Jahr ihres Bestehens feiert die Immobilienmesse Mipim in Cannes einen neuen Rekord: Auf 13 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche haben 4138 Gesellschaften insgesamt 1610 Stände aufgestellt. Das ist ein Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zu 1999, berichten die Veranstalter. Deutschland ist mit 311 Ausstellern das am stärksten repräsentierte Land. Im "Wettbewerb der Regionen" setzte sich London knapp vor Berlin durch. Die britische Hauptstadt stellt ihre Immobilienprojekte im neuen, dem Mittelmeer zugewandten "Espace Riviera" vor. Die deutsche Hauptstadt dagegen bezog im Untergeschoss des Kongresszentrums Quartier. Zum Berlin-Stand zählen 23 Aussteller, darunter die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Den auf Rendite und Mietpreisentwicklung fokussierten Immobilienprofis stellt sich Berlin als Kulturhauptstadt vor. Als Symbol dieses so genannten weichen Standortfaktors bestellte der Senat beim ägyptischen Museum zwei tonnenschwere Statuen der löwenköpfigen Göttin Sachmet, etwa 1300 vor Christus erschaffen. Auch der Direktor des ägyptischen Museums, Dietrich Wildung, stellte sich in Cannes in den Dienst der Standortwerbung. Kultur und Kommerz sind für ihn keine Gegensätze: "Die Museen befinden sich weltweit im Stadium eines Übergangs von staatlich finanzierten und geführten Einrichtungen zu privaten Gesellschaften mit Eigenverantwortung für ihre Budgets", sagt Wildung - "auch wenn sie weiter subventioniert werden müssen", setzt er gleichwohl hinzu. In Holland seien die Reichsmuseen vor vier Jahren in GmbHs umgewandelt worden. Ziel dieser Teilprivatisierung sei die Mobilisierung privater Mittel und anderer Einnahmequellen. Wildung ist auch Leiter der Arbeitsgruppe zur Neuordnung der Museumsinsel, und nicht zuletzt in dieser Eigenschaft deutet er durchaus immobilienspezifisches Interesse am Standort Berlin an: "Wir benötigen eine Sonderausstellungsfläche von bis zu 2500 Quadratmetern", sagt er. Infrastruktur, Verkehrsflächen und Gastronomie hinzugerechnet komme er auf einen Flächenbedarf von insgesamt 5000 Quadratmetern.

Bisher hätten die Berliner Museen für Sonderausstellungen das Alte Museum von Schinkel genutzt. Doch die Bedenken gegen eine dauerhafte Nutzung dieser Flächen seien groß. Die historische Bausubstanz könnte Schaden nehmen. Zudem eigne sie sich nicht für die für die Ausstellungen oft nötige Technik. Deshalb schielt Wildung bereits auf Ersatzflächen: "Die Museumsinsel endet nicht am Lustgarten", sagte er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Der Schlossplatz biete eine hervorragende Möglichkeit, "in der Mitte der Mitte" die Berliner Kultur in den Dienst auch politischer Repräsentation zu stellen. Zumal der Bund zu 50 Prozent die Museen der Stadt finanziert. Wildung zufolge gibt es im Senat offene Ohren für ein solches Szenario. Bekanntlich forderte Bausenator Peter Strieder eine "öffentliche Nutzung", die allerdings mit privaten Mitteln zu finanzieren sei.

Da würde gerne der schwedische Baumulti Skanska in die Bresche springen. Der Konzern, der in Berlin zuletzt mit seinem Rückzug vom Milliardenprojekt Teleport in Charlottenburg auffiel, stellt in Cannes ein detailliertes Modell des Schlosses vor. Die Fassade und einer der zwei Höfe sollen nach historischen Plänen von Schlüter und Eosander rekonstruiert werden. Dabei hält sich der Investor weitgehend an die Vorarbeiten des Architekten Ralf Schüler-Witte. Dieser hatte bereits für die Hanseatica den Schlüter-Hof in Originalform rekonstruiert. Im Szenario von Skanska sollen eine Bibliothek und eine Universität die öffentliche Nutzung gewährleisten. Vorgespräche, sagt der Chef der deutschen Tochter Skanska Bau-Holding GmbH, Helmut Grosse, liefen. Konkrete Nutzungsabsichten gibt es aber offenbar noch nicht: "Mit den Banken sind wir weiter als mit möglichen Betreibern", sagt Grosse. Das überrascht. Denn den Gesprächen auf der Mipim nach zu urteilen, sind die Geldhäuser nur noch selten gewillt, Immobilien in Berlin ohne konkrete Nutzungsverträge oder entsprechende Sicherheiten zu finanzieren. Laut Grosse hoffen die Banken, ein First-Class-Hotel für den Schlossstandort zu gewinnen. Damit wäre indes nur die Nutzung von einem Teil der 147 000 Quadratmeter großen Fläche sichergestellt, nämlich 21 000 Quadratmeter.

Dennoch ist der Skanska-Deutschland-Chef zuversichtlich, dass sich die Finanzierung des Vorhabens über einen geschlossenen Immobilienfonds realisieren lässt. Insgesamt sei von einer Investitionssumme von 1,5 Milliarden Mark für die Rekonstruktion des Schlosses auszugehen. Bei einem geschlossenen Fonds würden private Anleger fünfstellige Beträge investieren.

Ob Skanska mit diesem Entwurf zum Zuge kommt, ist mehr als fraglich. Das weiß Grosse auch. Er versteht sein Engagement in Cannes eher als Beitrag zur Debatte, die in den letzten zwei Jahren seiner Ansicht nach neu belebt werden müsse. Dem Geschmack des möglichen Nutzers Wildung entspricht das Modell von Skanska allerdings nicht: "Ein Neubau an diesem Platz sollte die Dimension des Schlosses aufnehmen", kommentiert der Direktor des Ägyptischen Museums das Modell, "aber die Architektur sollte schon ein Bekenntnis zum 21. Jahrhundert liefern".

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben