Zeitung Heute : Privater Wachschutz: Kameras, Cops und Rauchverbot

Harald Olkus

In den Potsdamer Platz Arkaden sehen sie aus wie die Cops in amerikanischen Spielfilmen: blaue Uniformen, eckige Mützen, Sonnenbrillen - nur der Schlagstock ist durch ein Handy ersetzt. Private Wachschützer sind mit der Zunahme von großen Shopping Centern, Malls und Komplexen wie dem Potsdamer Platz zuständig für immer mehr und immer größere öffentlich genutzte Privatflächen in der Innenstadt. Allein das DaimlerChrysler-Areal am Potsdamer Platz umfasst zehn Straßen und 19 Gebäude. Die privaten Sheriffs sollen im Auftrag der Center Managements nicht nur verhindern, dass jemand auf den Boden spuckt, sondern müssen oft auf die Einhaltung umfangreicher Hausordnungen achten.

Versucht man mit dem Fahrrad oder Rollerblades durch das Sony Center zu flitzen, im Neuen Kranzler Eck ohne Erlaubnis Pressefotos zu schießen oder in den Potsdamer Platz Arkaden zu rauchen - schon nähert sich ein uniformierter Vertreter des Hausherrn und bittet höflich aber bestimmt, das Treiben zu unterlassen. Zu den genehmigungspflichtigen Tätigkeiten im Sony Center gehört außerdem das Feilbieten von Waren, die Straßenmalerei und -musik, das Verteilen von Werbematerial, das Sammeln von Spenden und das Demonstrieren. Verboten ist das Sitzen auf den Treppen, das Trinken von Alkohol außerhalb der Gaststätten sowie das Tauben füttern, Luftballons ins Dach fliegen lassen oder Knallkörper zur Explosion bringen. Darauf hingewiesen wird der Besucher durch eine laut Center Management "gut sichtbar angebrachte Hausordnung". Wer gegen die Regelungen verstößt, macht sich unter Umständen des Hausfriedensbruchs schuldig, heißt es in der Hausordnung des Sony Centers. Diese Regelungen dienten lediglich dazu, das Miteinander im Komplex zu regeln und zwar möglichst so, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen, sagt Matthias Klock, Property Manager im Sony Center.

Geschützt werden müssen hier zum einen die Interessen der Mieter, und das sind nicht nur Büromieter. Der Wohnanteil im Komplex beträgt immerhin 20 Prozent. Auch die Liegenschaft selbst muss behütet werden. Verkratzte Glasscheiben oder graffitibesprühte Flächen schaffen einen Eindruck der Vernachlässigung, der weitere Beschädigungen nach sich ziehe, sagt Klock. Deshalb dürfe es gar nicht so weit kommen. Die Gebäudemanager setzen auf Prävention.

Durch die deutlich sichtbare Präsenz von Wachschützern seien im Neuen Kranzler Eck bisher keinerlei außergewöhnliche Vorkommnisse zu verzeichnen, sagt Angelica Germis. Angesichts der "sicherheitstechnisch brisanten Lage nahe dem Bahnhof Zoo und dem Breitscheidplatz" sei das der beste Beleg dafür, dass das Sicherheitskonzept aufgehe. Weder Hütchenspieler noch Taschendiebe und Drogenabhängige seien ein Problem. Schöne neue Einkaufswelt.

Deshalb komme auch ein "martialisches Auftreten" der Wachmänner nicht in Frage, sagt Matthias Klock vom Sony Center. Den Eindruck eines Hochsicherheitstraktes scheuen die Center Manager wie der Teufel das Weihwasser. Die Wachmänner seien angewiesen, die Hausordnung nicht um jeden Preis durchzusetzen. Streitereien mit Skateboardern und Radlern oder jemandem, der am Brunnenrand eine Flasche Wein trinkt und ein Baguette isst, sollen vermieden werden. Notfalls werde das abweichende Verhalten auch toleriert, sagt Matthias Klock. Deeskalation ist angesagt. Auch Obdachlose und Bettler würden nicht zwangsläufig vom Platz verwiesen, so lange sie nicht unangenehm auffallen und das Schnorren unterlassen. Die Wachmänner sollen vielmehr als Ansprechpartner des Besuchers auftreten. Auskünfte zu erteilen und den Besuchern bei der Orientierung zu helfen sei denn auch die am häufigsten beanspruchte Tätigkeit der Uniformierten, betonen die Center Manager unisono.

Über die tatsächliche Sicherheitsausstattung und die Zahl der eingesetzten Wachmänner will denn auch keiner der Manager und Öffentlichkeitsarbeiter Auskunft erteilen. Zum einen sollen etwaige Kriminelle aufgrund der Angaben keine Rückschlüsse auf Schwachstellen ziehen können und zum anderen wollen die Mieter wahrscheinlich auch nicht in der Zeitung lesen, wie viel sie für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit für ihre Immobilie ausgeben. Und während anderswo noch über die Kameraüberwachung von öffentlichen Orten debattiert wird, hier ist sie bereits Wirklichkeit. "Selbstverständlich ist der Einsatz der Kameras mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes Berlin abgestimmt", stellt Angelica Germis für das Neue Kranzler Eck fest. Außerdem würden die Aufnahmen nicht gespeichert. Selbiges gilt für das Sony Center, wo neben den beweglichen Kameras aber auch eine Reihe von "Ereigniskameras installiert seien, die weitgehend unbevölkerte Gänge und Flure überwachen und per Bewegungsmelder aktiviert werden.

In den Potsdamer Platz Arkaden gibt es bislang noch keine Kameraüberwachung. Doch auch hier will man bald nachrüsten, sagt Center Manager Andreas Kube. Dann gilt dort: Kameras, Cops und Rauchverbot - und der Besucher kann sich fast fühlen wie in einem Film über amerikanische Shopping Malls. Und alles ohne Aufpreis.

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