Zeitung Heute : PRO von Sabine Beikler

Der Tagesspiegel

Es gibt reiche Süchtige mit Job, Geld, sterilen Spritzen, einem Dach über dem Kopf. Und es gibt arme Drücker. Ohne stabile soziale Kontakte, ab und zu eine Übernachtung in einer „Läuse-Pension“, jagen sie dem Stoff hinterher. Schwerstabhängige, die ohne Perspektive ihr Dasein fristen. Wer zur Droge greift, ist selbst schuld. Das kann man so sehen. Dann lässt man auch Halbtote in ihrem eigenen Dreck sterben. Wer aber über diesen sozialdarwinistischen Tellerrand blicken kann und will, sieht eine Mitverantwortung der civil society – und somit die Notwendigkeit, „Fixerstuben“ einzurichten.

Drogenkonsumräume sind keine kuscheligen Wärmestuben, sondern haben das Flair einer Notfall-Ambulanz. Hier können die Schwerstabhängigen unter Kontrolle Drogen konsumieren, die sie sich sonst in Hauseingängen oder auf Spielplätzen reindrücken - wo sie möglicherweise ihre Spritzen liegen lassen. Hier bekommen Junkies medizinische Beratung und saubere Spritzen. Damit unterstützt man keine Drogensucht, sondern leistet „Überlebenshilfe“, um eine Ansteckung mit HIV oder Hepatitis zu verhindern. Fixerstuben sind oft der einzige Ort, wo Sozialarbeiter noch Süchtige erreichen und sie zu einer Therapie bewegen können: für Schwerstabhängige die letzte Lebens-Chance.

Die Einrichtung von Fixerstuben ist kein Königsweg, sondern zeigt die Auswüchse eines gesellschaftlichen Problems. Wer dafür ist, will nicht den Drogenkonsum fördern. Aber wer Schwerstabhängige allein lässt, trägt dazu bei, dass die in der Drogentotenstatistik auftauchen.

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