Zeitung Heute : PRO

Der Tagesspiegel

Wetten, dass? Sie haben den ersten, an Sie adressierten Liebesbrief aufgehoben. Oder fragen wir anders. Kann es sein, dass Sie ab und an Einkaufszettel schreiben, um bestimmte Dinge nicht zu vergessen? Oder, dritter Anlauf: Könnte es stimmen, dass man bestimmte Erlebnisse besser verarbeitet und sich Gefühle verdeutlicht, wenn man Tagebuch führt? Und, nicht zuletzt: Es soll Leute geben, die sich Formeln oder Vokabeln notieren, um sie zu verinnerlichen.

Das muss reichen. Wenigstens einem dieser Beispiele werden Sie problemlos zustimmen. Viele Menschen haben im Leben schon erfahren, dass einem etwas dann besonders wichtig, klar und deutlich erscheint, wenn man es Schwarz auf Weiß vor sich sieht. Deshalb sollte man ruhig auch dann auf diesen Effekt setzen, wenn es um Sozialverhalten geht. Wenn Kinder sich intensiv damit beschäftigen, wie sie mit Mitschülern umgehen, weil sie sich schriftlich dazu bekennen, kann das nur positive Folgen haben: Sie werden den schulischen Verhaltenskodex ernster nehmen. Voraussetzung ist jedoch, dass Verstöße auch kindgerecht geahndet werden. Das klingt jetzt streng, ist jedoch nicht so streng gemeint. Aber die jungen Vertragspartner müssen von den anderen oder vom Lehrer darauf angesprochen werden, wenn sie sich doch gehen lassen. Der Konflikt muss im Klassenverband aufgearbeitet werden, damit das Versprechen nicht Makulatur wird.

Und wenn Sie noch immer meinen, es sei unerheblich, ob etwas schriftlich niedergelegt wird oder nicht – hier ein letzte, entscheidende Frage. Warum eigentlich unterzeichnen Menschen eine Heiratsurkunde? Annette Kögel

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