Zeitung Heute : PRO

Der Tagesspiegel

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen auf einer Parkbank, es ist warm, Sie haben Durst, Sie trinken ein Erfrischungsgetränk aus der Dose, Sie wollen die geleerte Dose loswerden, Sie gucken um die Parkbank herum und entdecken keinen Mülleimer. Den hat der Bezirk abmontiert, weil er sparen will.

Was notwendig ist, denn der Bezirk hat kein Geld mehr. Sie müssen also Ihre Dose auf dem weiteren Spaziergang im Park eine Weile mit sich tragen, bevor Sie einen Mülleimer finden. Tut das weh?

Manche meinen Ja und fordern die parkweite Versorgung mit Mülleimern, damit jeder seinen Müll gleich dort loswerden kann, wo er auftaucht. Weil der Müll, die Getränkedosen, das Eis- oder Bonbonpapier, sonst auf dem Boden landet, in den Blumen, auf der Wiese. Weil sie glauben, dass es den Menschen egal ist, wie sie ihre Umgebung hinterlassen, weil schon jemand kommen wird, der aufräumt.

So kann es vielleicht gehen, wenn Geld da ist, und Menschen beschäftigt werden, die anderen ihren Müll hinterherkehren. Wenn aber kein Geld mehr da ist, kann man dort als Erstes mit dem Sparen anfangen: beim Einschränken von Bequemlichkeiten. Im Park, beim Spaziergang nicht gleich einen Mülleimer in Wurfweite zu haben – das macht gar nichts.

Umgang mit Müll ist Erziehungssache, das kann man lernen. Andere Länder, Singapur, Amerika, machen es vor – hohe Geldstrafen für das Verschmutzen öffentlicher Räume inklusive. Der abgehängte Mülleimer ist eine Möglichkeit, schmerzlos Geld zu sparen. Und das ist gut. So kann man auf schmerzhafte Kürzungen – Kita-Schließungen etwa – länger verzichten. Ariane Bemmer

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben