Zeitung Heute : Pro

Der Tagesspiegel

Berlin braucht Geld. In den leeren Kassen der Bezirke ist jeder Euro willkommen. Zum Glück hat die Stadt Orte, die bares Geld wert sind. Das gilt besonders für den schönsten Platz der Stadt, den Gendarmenmarkt. Filmproduktionen nutzen ihn als Drehort, für Werbeagenturen käme der Platz als attraktiver öffentlicher Raum für großflächige Plakataktionen und Ausstellungen in Frage. Das kommerzielle Interesse am Gendarmenmarkt bietet dem Bezirk Mitte eine unverzichtbare Gelegenheit, die öffentliche Hand aufzuhalten und abzukassieren. Zurzeit kann es sich Berlin nicht leisten, Geldquellen ungeschöpft sprudeln zu lassen. Von den Einnahmen, die dem Bezirk aus Nutzungsgebühren zufließen, haben wir schließlich alle etwas. Natürlich dürfen großzügigere Regelungen für die kommerzielle Nutzung des Gendarmenmarktes nicht bedeuten, dass der Platz künftig von Reklametafeln umstellt oder von Filmteams belagert ist. Deshalb sollte der Gendarmenmarkt mehr als die Hälfte des Jahres kommerzfrei bleiben, damit die Berliner und ihre Gäste einen unverstellten Blick auf den Platz vor dem Schauspielhaus genießen können. Aber auch der Kommerz muss der Schönheit und Anziehungskraft des Gendarmenmarkts nicht unbedingt abträglich sein. Wie die Telekom mit der Verkleidung des Brandenburger Tores zeigt, kann Werbung einem historischen Ort durchaus Originalität verleihen. Und auch Filmteams müssen nicht störend erscheinen. Sie erfreuen sich regelmäßig der Neugier von Zaungästen. Stephan Wiehler

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