Zeitung Heute : Professionelle Zocker

Die Chancen für Videospieleentwickler haben sich verbessert – aber es gibt keine feste Ausbildung

Florian Oertel[dpa]

Sie haben Mario das Hüpfen beigebracht und die „World Of Warcraft“ erschaffen. Und quasi rund um die Uhr tüfteln Videospieleentwickler an neuen Helden und noch ferneren Welten. Da liegt es nahe, dass viele „Zocker“ darin einen Traumjob sehen. Die Chancen, diesen Traum wahr werden zu lassen, stehen für talentierte Leute zurzeit gar nicht schlecht. Die Szene in Deutschland ist zwar nach wie vor klein, befindet sich aber im stetigen Aufwind. Eine festgeschriebene Ausbildung gibt es jedoch nach wie vor nicht.

„Die Branche steckt hier noch in den Kinderschuhen, aber sie wächst weltweit und damit auch in Deutschland“, sagt Felix Wittkopf von der Games Academy in Berlin. Dahinter verbirgt sich eine Schule, die ausschließlich Kurse für angehende Spielemacher anbietet. Gut 100 Entwicklerstudios gibt es laut Wittkopf im deutschsprachigen Raum.

„Das reicht von Fünf-Mann-Teams bis zum Unternehmen Crytek in Frankfurt, das rund 120 Leute beschäftigt.“ In der Summe ergibt das zwar einen überschaubaren Arbeitsmarkt – aber einen, in dem sich eine Menge tut: „Vor einigen Jahren hat die Branche einen Tiefpunkt erreicht, seither geht es stetig bergauf“, sagt Gerald Köhler. Beim Studio Bright Future in Köln ist er für den PC-Klassiker „Fußball Manager“ verantwortlich. Eine Reihe von Studios hat sich neu gegründet, bereits bestehende haben ihre Belegschaften vergrößert – und tun das nach wie vor.

Die Aktivitäten in Deutschland seien zwar noch nicht mit denen in England oder Frankreich zu vergleichen, sagt Florian Knappe vom Studio 49 Games in Hamburg. „Aber die Zahl der Entwickler steigt, und auch ausländische Publisher gucken inzwischen mehr nach Deutschland.“ Publisher sind die Unternehmen, die die Spiele vertreiben. So entwickelt Knappes Team für RTL Games eine Reihe von Wintersportspielen, darunter „Skispringen“ und „Wintergames“.

Den Beruf „Spieleentwickler“ als solchen gibt es jedoch nicht: Die Teams setzen sich aus Leuten mit je eigenen Spezialgebieten zusammen – je größer die Firma, desto größer ist die Arbeitsteilung. „Da ist zunächst der Produzent“, sagt Köhler. Er muss dafür sorgen, dass ein Spiel rechtzeitig fertig und dass der Finanzrahmen nicht gesprengt wird. „In der Hinsicht unterscheidet sich ein Spieleprojekt gar nicht so sehr von Projekten in anderen Unternehmen.“ Wenn es um zündende Ideen geht, ist der Gamedesigner gefragt. „Er denkt sich das Spiel aus“, erklärt Köhler. Die Umsetzung liegt bei den Grafikern und den Programmierern. Und dann kommen die „Leveldesigner“ zum Zug: „Sie nehmen die vorhandenen Elemente und machen daraus die Spielwelten – sie bauen zum Beispiel die Charaktere ein oder legen fest, wann und wie sich die Gegner bewegen sollen.“ Wie die Spezialisten zu ihren Spezialkenntnissen und damit an ihre Jobs kommen, ist höchst verschieden. „Es gibt bis heute keine festgeschriebene Ausbildung“, sagt Florian Knappe. Deshalb haben zum Beispiel manche Produzenten BWL studiert – während andere vielleicht als Programmierer angefangen haben und irgendwann auf dem Sessel von demjenigen gelandet sind, der die Fäden in der Hand hält.

„Ich habe eine Fachoberschule für Grafik und Design besucht“, sagt Knappe, heute grafischer Leiter bei 49 Games. Die Programmierer haben oft ein Informatikstudium oder eine entsprechende Ausbildung hinter sich. „Es gibt hier auch jede Menge Autodidakten“, sagt Köhler. Noch größer ist dieser Anteil bei den Leveldesignern. „Das sind Spieler, die wissen, was gefragt ist.“ Das Angebot der Games Academy, die zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Entwicklerverbandes G.A.M.E. gehört, orientiert sich an der Arbeitsteilung in den Studios: Derzeit gibt es die zweijährigen Kurse „Game Producer“, „Game Art & Animation“ und „3D-Programmierung“ sowie „Gamedesign“. Dieser dauert nur ein Jahr und richtet sich auch an künftige Leveldesigner.

Als „staatlich anerkannte Ergänzungsschule“ ist die Games Academy laut Wittkopf mit einer Berufsfachschule gleichzusetzen. Daher ist ein Realschulabschluss Aufnahmevoraussetzung. Der Unterricht ist aber nicht billig: Bei den Zweijahres-Kursen kostet er monatlich 760 Euro, für das einjährige Angebot 890 Euro. Seit kurzem bietet außerdem die Mediadesign Hochschule für Design und Informatik in Berlin, München und Düsseldorf einen sechssemestrigen Bachelor-Studiengang „Gamedesign“ an. Hier liegt die monatliche Gebühr bei knapp 800 Euro.

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