Zeitung Heute : Professoren, Produkte und der Markt - GmbH soll Forschungsergebnisse vermarkten

Ljiljana Nikolic

Glaubt man den Prognosen der Innovationsforschung, dann werden in Zukunft verstärkt Innovationen durch Universitäten im Auftrag oder in Kooperation mit der Wirtschaft entstehen. Das ist nicht nur Wunschdenken. „Besonders mittelständische Unternehmen streichen aus Kostengründen ihre Entwicklungsabteilungen und treten an Universitäten, wenn sie neue Produkte entwickeln wollen“, sagt Dirk Radzinski, Geschäftsführer der Humboldt-Innovations GmbH.

Letztes Jahr wurde die universitätseigene GmbH gegründet. Sie finanziert sich aus eigenen Projekten und will wirtschaftliche Aktivitäten von Wissenschaftlern „kreativ-professionell“ unterstützen: Die Ausgründung von Unternehmen aus der Universität, die Vermarktung ihrer „Schätze“ und Management für EU-finanzierte Projekte. Ihr Herzstück ist die Auftragsforschung. Unternehmen, die Forschungsprojekte mit der Humboldt-Universität durchführen wollen, finden mit der GmbH einen Ansprechpartner, der diese Projekte von der Vertragsverhandlung bis zur endgültigen Leistungserbringung abwickelt.

„Der gesamte administrative Teil wird von der GmbH übernommen, die einen Ansprechpartner für jedes Projekt stellt“, sagt Radzinski, der Jura und BWL in Berlin, Berkeley und Kapstadt studiert hat. So kann zusätzliches Personal schnell und unbürokratisch eingestellt werden, zu denselben finanziellen Konditionen wie an der Universität.

Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung seien die meisten Professoren und Projektleiter gerne bereit, in einen Dialog mit der Wirtschaft einzutreten und konkrete Fragestellungen zu lösen. So verhandelt die HI zurzeit ein Projekt zwischen einem Biologieprofessor und einem internationalen Konzern aus der Lebensmittelindustrie.

Doch selbst wenn Wissenschaftler Interesse an Kontakten zur Industrie haben, mangelt es oft an wirtschaftlichem Know How. „Bei der Vertragsverhandlung bedenken viele Projektleiter nicht, dass es nicht nur um den Preis der zusätzlich entstehenden Kosten geht, sondern dass auch die eigene Arbeitszeit und die Nutzung von Räumen und Geräten in die Kalkulation fließen muss“, sagt Radzinski. Was in Amerika und Großbritannien Standard ist und wie selbstverständlich von der Industrie akzeptiert wird, wird hierzulande erst nach und nach eingeführt: Projekte werden auf Vollkostenbasis oder zu Marktpreisen kalkuliert.

2005 hat die GmbH 28 Forschungsprojekte akquiriert, 2006 sollen es bis zu 80 werden. Zu den Auftraggebern zählen kleine und mittelständische Firmen aus dem Berliner Raum genauso wie ausländische große internationale Konzerne. Inhaltliche Schwerpunkte liegen dabei auf den Gebieten der klassischen Naturwissenschaften wie Chemie, Physik und Biologie sowie der Informatik, Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften. Die Spanne der Aufträge reicht von kleinen Projekten, in denen Messungen und Analysen getätigt werden, bis zu Großprojekten, die über mehrere Jahre laufen. Die GmbH ist auch an der Vorbereitung des Antrages für das Exzellenzcluster „Campus Adlershof – Materials in New Light“ beim Elite-Wettbewerb der deutschen Universitäten beteiligt.

Das entstehende Netzwerk aus Industriekontakten soll systematisch genutzt werden, um neue Projekte für die Arbeitsgruppen zu finden und die Kontakte zur Wirtschaft zu pflegen. In einigen Jahren soll der derzeitige Mitarbeiterstamm um Einiges gewachsen sein, sagt Radzinski: „Ich stelle mir ein Team von sieben bis zehn Leuten vor, die spezifisches Branchen-Know-how haben und Aufträge akquirieren und abwickeln.“

Mehr Informationen im Internet:

www.humboldt-innovation.de

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