PROG ROCKMars Volta : Kreischende Berserker

Jörg W er

Jetzt wird’s ungemütlich: Anlässlich ihrer aktuellen Platte „The Bedlam in Goliath“ fabulieren Mars Volta nicht nur eine Gruselgeschichte über verwunschene Hexenbretter und übernatürliche Sabotageakte zusammen, sie machen auch die passende Musik dazu. Das hysterische, hochverdichtete Turbogegniedel aus Free Jazz, Speedmetal, pervertiertem Bluesrock, zappaeskem Progrock und Texmex-Gekreische bringt Mitbewohner zur Raserei und würde als Kaufhausbeschallung eine Massenpanik auslösen.

Seit der Auflösung von At The Drive-In, denen um die Jahrtausendwende die Indie-Welt zu Füßen lag und deren heroische Verschmelzung von Hardcore und Postrock ohne direkte Nachfolge blieb, zerdeppern Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler Zavala mit wechselnden Mitstreitern lustvoll die Aussteuer der Pop-Geschichte. Dabei sind Mars Volta als musikalische Extremsportler und kapriziöse Konzertberserker längst zu Stars ihres eigenen Genres geworden. Und natürlich ist man beeindruckt, wie sagenhaft virtuos dieser Scheiß ist: Wenn sich Rodriguez-Lopez mit John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers aberwitzige Gitarrenduelle liefert, die Rhythmusfraktion quecksilbrig durch komplizierteste Taktwechsel und halsbrecherische Achterbahn- Passagen hetzt oder Bixler Zavala als singende Nervensäge wie eine gefolterte Mickymaus klingt, kann man den Respekt vor der unbeugsamen Grenzwertigkeit dieser Musik nicht versagen. Aber die Frage drängt sich auf, wo das alles hinführen soll. Und ob man diesen Weg mitgehen mag. Starke Nerven braucht man in jedem Fall dazu. Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, So 24.2., 20 Uhr, 26 € + VVK AW216

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