Zeitung Heute : Prognosen vom jungen Max Merkel

Philipp Köster hält Tippspiele für überschätzt

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Angebote gab es genug, an geschätzten 150 Tipprunden zur WM hätte ich mich beteiligen können. Ich habe aber dankend abgelehnt, aus grundsätzlichen Erwägungen.

Ich bin nämlich eine Art negatives Orakel, ein junger Max Merkel. Bedeutet: Was ich vorhersage, trifft nicht ein. Benenne ich Brasilien als Weltmeister, stehen garantiert Holland und Argentinien im Finale. Prophezeie ich Deutschland ein schnelles und schmerzhaftes Ausscheiden in der Vorrunde, gewinnen die Jungs prompt gegen Polen und werden Weltmeister.

Dass ich diese besondere Fähigkeit zur exakten Falschvorhersage besitze, habe ich vor zwei Jahren bemerkt. Damals wurde ich bei einer bürointernen Tipprunde zur EM in Portugal unter fünfzehn Teilnehmern Vorletzter, hinter mir rangierte nur noch eine Kollegin, die irrtümlich nur die ersten zwei Spiele getippt hatte und dann in Urlaub gefahren war. Wie demütigend!

Aus Erfahrung weiß ich außerdem, dass Tipprunden nur am Anfang des Turniers richtig spannend gefunden werden. Dann drängeln sich noch alle um den Aushang und freuen sich scheckig, dass sie für die richtige Tendenz bei Brasilien gegen Kroatien zwei Punkte abgeräumt haben. Spätestens nach einer Woche ist der Traum vom Pott für neunzig Prozent der Teilnehmer ausgeträumt, es schauen nur noch die drei Führenden vorbei, und in der dritten Woche lässt ein frustrierter, weil chancenloser Mittipper den Aushang kommentarlos im Altpapier verschwinden. Deshalb bin ich nicht dabei, meine Entscheidung ist endgültig. Selbst wenn man mich bitten würde, zum Achtelfinale neu einzusteigen.

Heute spielt übrigens Italien gegen die USA. Mein Tipp: 3:1.

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