Zeitung Heute : Projekt schöner Wohnen 2010

Im Bornstedter Feld nahe Schlosspark Sanssouci gibt es sechs verschiedene Haustypen und Wohnformen für Käufer und Mieter. Das ist nur der Anfang. Noch mindestens zehn Jahre wird weitergebaut

Jutta Burmeister

Die reizvolle Umgebung hat Franziska Uhlig aus Kreuzberg nach Potsdam ins Bornstedter Feld gelockt. „Jeden Morgen jogge ich durch den Schlosspark Sanssouci“, sagt die Grafikerin. Wer im Bornstedter Feld wohnt, kann nicht nur zu Fuß zum Schloss Sanssouci oder in die Potsdamer Innenstadt laufen. Auch die Lennésche Feldflur, das Nedlitzer Holz und der Park der Bundesgartenschau liegen vor der Tür. „Dafür nehme ich den Baulärm in Kauf“, sagt Franziska Uhlig.

Erst in zehn Jahren wird das rund 330 Hektar große Entwicklungsgebiet komplett fertig sein: Der Umbau und die Sanierung der sieben historischen Kasernen und der zahlreichen Plattenbauten; der Neubau von Reihen-, Doppelhäusern und Mietwohnungen für über 14000 Menschen; der Bau von Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen; die Anlage von Spielplätzen und Grünanlagen. Bisher stehen 1700 der geplanten 6800 Wohneinheiten.

Neben der Verdichtung der Innenstädte von Potsdam und Babelsberg und der Sanierung der Plattenbaugebiete, in denen rund 40 Prozent der Potsdamer leben, sei die Entwicklung des Bornstedter Felds die wichtigste Maßnahme der Stadt, sagt Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz. „In Potsdams Norden entsteht ein völlig neuer Stadtteil“, so Gabriele Kaupmann, Pressesprecherin der Gesellschaft „Entwicklungsträger Bornstedter Feld“. Jeder zehnte Potsdamer werde im Jahr 2015 dort wohnen.

Interessant ist der Stadtteil auch auf Grund der unterschiedlichen Wohnmodelle. Dazu zählen eine ökologische Musterhaussiedlung, Genossenschaftswohnungen mit eingetragenem Dauerwohnrecht, Wohnungen in denkmalgeschützten Kasernen und in sanierten Plattenbauten. Auch Baugruppen sind am Start, bei denen mehrere Bauherren auf einem Grundstück gemeinsam Reihenhäuser errichten. Für diese Vielfalt an Wohnformen wurde das Projekt 2002 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Weil das ehemalige Militärgelände wie ein Sanierungsgebiet eingestuft ist, können private Anleger, die ein Bestandsgebäude zur Vermietung erwerben, zudem noch hohe Steuervorteile kassieren. Wer eines der Baudenkmäler erwirbt, spart auch dann Steuern, wenn er dieses selbst bewohnt. Ein Überblick über die Projekte:

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Modellplattenbau. Neue Wege beim Umbau eines Plattenbaus wollen Lorenz Bruckner, Dieter Baur und die Architekten Würmle und Späth gehen. In dem ehemaligen Asylantenheim sollen 47 „lichtdurchflutete Wohnungen“ entstehen. Der Umbau solle Modellcharakter haben, das Gebäude hinterher nicht mehr als Plattenbau erkennbar sein. Dafür wird die Fassade teilweise zurückgebaut. Dachterrassen werden geschaffen und große, bis zum Fußboden reichende Fenster. Neben zehn Dachgeschossen entstehen neun Maisonette-Wohnungen. Besonderer Clou sind die sechs „Split-Level-Wohnungen“ im Erdgeschoss: Um im Wohnbereich mehr Raumhöhe zu gewinnen, wird der Fußboden um 50 Zentimeter abgesenkt. Und vom Wohnraum gelangt man dann direkt in den Garten. Bis zum Jahresende soll der Umbau abgeschlossen sein. Die Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe von 61 bis 99 Quadratmetern werden für 6 bis 6,75 Euro je Quadratmeter angeboten

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Wohnen im Denkmal. Zum Jahresende sollen 13 Maisonette-Wohnungen in der Garde-Ulanen-Kaserne bezugsfertig sein. Auf dem Gelände des früheren Militärlazaretts plant die Wiesbadener Berner&Grasserbauer Grundbesitzanlagen außerdem mehr als 160 Wohnungen. Im „Parc du Bois“, so der Name der Anlage, befinden sich zwischen großen Bäumen zwölf Lazarettgebäude aus den Jahren 1890 bis 94. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz. Das erste sanierte Lazarettgebäude mit 49 Eigentumswohnungen soll ebenfalls bis zum Jahresende bezugsfertig sein. Die Preise liegen bei 2690 Euro je Quadratmeter für eines der zwölf Penthäuser und bei 2490 Euro für eine der anderen Wohnungen. Das Angebot sei besonders für Käufer interessant, die die Immobilien vermieten wollen. Daneben soll die Kaserne am Ruinenberg in die Entwicklung gehen.

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Reihenhäuser. In der südlichen Gartenstadt und im Norden am Nedlitzer Holz ist der Bau von Reihenhäusern geplant. Initiatoren sind Haas&Partner und die schwedische Gesellschaft NCC.

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Baugruppen. In der Siedlung „An der Vogelweide“ bauen Gruppen bestehend aus jeweils drei bis fünf Familien ihre Häuser zusammen. Unter professioneller Anleitung wird gemeinsam geplant und Baustoffe eingekauft. Das spart Zeit und Geld. Bereits fertiggestellt und bezogen sind 16 Wohneinheiten in Reihen- und Doppelhäusern. Mit dem zweiten Bauabschnitt soll in Kürze begonnen werden. Voraussetzung ist, dass mindestens drei Bauwillige sich zusammengefunden haben. „Wer mit befreundeten Familien in einer Art Wohngemeinschaft leben will, ist hier richtig am Platze“, so Gabriele Kaupmann. Die Siedlung ist auf 50 Wohneinheiten angelegt. Diese Zahl lässt sich – weil jeder Käufer einen festgelegten Anteil am gemeinschaftlichen Eigentum hat – auch nicht reduzieren. Das Baugruppenmodell wird vom Land Brandenburg mit zinsgünstigen Darlehen gefördert. Ein Haus an der Vogelweide kostet bei einer Wohnfläche von 122 Quadratmetern rund 215000 Euro. Weitere Baugruppen-Modelle gibt es in Babelsberg und in Berlin-Johannisthal.

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Genossenschafts-Wohnungen mit Dauerwohnrecht. In der Wohnanlage Pappel-Carree hat die Gebeg 51 Genossenschaftswohnungen errichtet. Der Erwerb eines preisgünstigen Dauerwohnrechts sichert lebenslanges Wohnrecht, das im Grundbuch eingetragen ist. Alle Wohnungen sind bereits vergeben. Deshalb denkt man bei der Gebeg über weitere Projekte nach. Das Wohnmodell richtet sich vor allem an Familien mit geringem Einkommen und wird vom Land Brandenburg und der Stadt Potsdam gefördert.

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Ökologische Musterhaussiedlung. Von den 19 Wohnungen der ökologischen Musterhaus-Siedlung der GSW sind bisher 17 vermietet. Die Preise liegen zwischen 6,80 und 7 Euro je Quadratmeter. Weitere derartige Projekte plant die GSW nicht. „Die ökologische Bauweise ist kein Serienprodukt und deshalb vergleichsweise teuer“, heißt es. Dies ziehe hohe Mietpreise nach sich, die am Markt derzeit nicht zu erzielen seien.

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