Zeitung Heute : Providertest: T-Online vom Thron gestürzt

KURT SAGATZ

Die aktuelle Auswertung des Providertests von Tagesspiegel und Berliner-Provider.de förderte für Juni eine echte Überraschung zutage. Der Online-Dienst der Telekom, T-Online, der noch im letzten Monat bei den drei wichtigsten Nutzungstypen auf dem ersten Platz lag, wurde zumindest teilweise vom Thron gestürzt. In der für die Mehrheit der Nutzer wichtigen Kategorie der Normalsurfer-Tarife (20 Online-Stunden monatlich) setzte sich der neue Transmedia-Tarif Special SurferFun an die Spitze des Feldes.

Auch der bereits im letzten Monat recht erfolgreiche Tarif Sirecoconnect konnte aufgrund besserer Werte im Leistungstest aufholen und setzte sich vor den Telekom-Dienst. Zur Aufholjagd angesetzt hat auch Esprit Telecom mit dem Tarif net@home, dessen Minutenpreis auf 5,8 Pfennig gesenkt wurde und der mit zahlreichen Extras aufwartet. Die Übernahme der Pole-Position verdankte der Transmedia-SurferFun-Tarif besonders dem in Nebenzeiten (ab 18 Uhr und an Wochenenden) niedrigen Preis von 5 Pfennig je Minute einschließlich der Telekomkosten, sonst 7 Pfennig.

Hochgerechnet auf 20 Stunden ergibt sich daraus eine monatliche Belastung von 60 DM. Die gleiche Online-Zeit kostet bei anderen Providern zwischen 70 und 90 DM, im ungünstigsten Fall sogar 150 DM. Auch bei den anderen Kriterien zeigte Transmedia, daß ein günstiger Tarif nicht gleichbedeutend mit billig sein muß. So bekommt der Nutzer beim SurferFun 5 E-Mail-Adressen mit jeweils 5 zusätzlichen, sogenannten Alias-Adressen, 10 Megabyte Webspace für die eigene Homepage und durchaus konkurrenzfähige Leistungswerte.

Insgesamt zeigte sich mit der Juni-Auswertung, daß bis auf wenige Ausnahmen vor allem die Tarife zu den Gewinnern gehören, die bei den Online-Kosten die Telekomgebühren gleich beinhalten. Für den Nutzer hat dies zum einen den Vorteil, daß er seine Gesamtkosten besser kalkulieren kann. Zum anderen wissen die Anbieter von Inklusivtarifen oder Internet-By-Call-Varianten, daß sie nur Erfolg haben, wenn der so entstehende Gesamtpreis wirklich günstiger ist als bei der Konkurrenz mit ihren zeitabhängigen Tarifen oder Pauschalmodellen.

Zu den Trends des Juni-Rankings gehört zudem, daß die Luft für die regionalen Internet-Anbieter dünner wird. Neben Transmedia und Sireco schafften es nur noch BerlinWeb und Snafu in die Top-10-Listen. Und auch diese Provider orientieren sich zusehends in Richtung des gesamten Bundesgebietes. Wichtigster Indikator ist dabei die bundeseinheitliche Einwahl, die es dem Provider ermöglicht, auch außerhalb der eigenen Region Kunden zu gewinnen, und der dem Kunden die Freiheit einräumt, auch auf Reisen seinen gewohnten Zugang zum Ortstarif zu nutzen.

Ein Provider, der seine Angebote angesichts dieser veränderten Bedingungen nicht ständig auf den Prüfstand stellt, dürfte somit auf kurz oder lang vor erheblichen Problemen stehen. Zugleich kann der regelmäßige Gebührenvergleich derzeit dazu führen, daß die Kostenbelastung mitunter mehr als halbiert wird. Wie wichtig der Gebührenvergleich ist, zeigt auch die Umfrage, an der die Nutzer von Berliner-Provider.de teilgenommen haben. So nutzen bereits 54 Prozent aller Befragten das Internet mehr als 40 Stunden monatlich, die Hälfte davon sogar mehr als 60 Stunden.

Selbst kleinere Preissenkungen machen sich hier schnell in Mark und Pfennig bemerkbar. Dies läßt sich auch daran erkennen, daß zwar rund jedem zweiten Umfrageteilnehmer eine möglichst niedrige Grundgebühr sehr wichtig ist, aber 80 Prozent vor allem eins im Auge haben: Die monatliche Gesamtbelastung beim Surfen. Und noch etwas ergab die aktuelle Befragung: Immer mehr Online-Nutzer setzen bei ihrem Internet-Zugang auf gute Leistungswerte im ISDN-Bereich. Wer also auf der Suche nach einem Provider ist, sollte selbst dann, wenn er anfangs noch analog mit seinem alten Modem surfen will, auf einen Provider mit guten digitalen Übertragungswerten achten.

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