PROVINZDRAMA„Drei Schwestern“ : Sehnsucht nach Landflucht

Sandra Luzina

Die Frauenwelt ist derzeit im Vereinigungstaumel. Erst hat Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw für das Leinwand-Debüt von „Sex and the City“ ihre drei New Yorker Freundinnen zusammengetrommelt. Und nun haben sich auch noch die drei Ex-„Bandits“ Katja Riemann, Jasmin Tabatabai und Nicolette Krebitz wiedervereint! Für ein Vorhaben, das in vielerlei Hinsicht überrascht. In Katja von Garniers Film über eine Sträflings-Rockband hießen sie Emma, Luna und Angel, nun seufzen sie als Olga, Mascha und Irina „Nach Moskau!“.

Unter der Regie von Amina Gusner spielen sie Tschechows „Drei Schwestern“ und wagen sich damit an das wohl berühmteste Damentrio der Theatergeschichte. Auch der Spielort ist ungewöhnlich: Das Theater am Kurfürstendamm ist bislang eher für krachenden Boulevard als für feinsinnige Klassiker-Abende bekannt. Mit Sprüchen wie „Hol’ dir einen runter, Gunther“ können die drei Freundinnen diesmal nicht punkten. Tschechow lässt sich nicht mal eben als feministische Aus- oder Aufbruchsfantasie interpretieren. Seine drei Schwestern, schön und begabt, versauern in der Provinz, während sie von einem anderen Leben träumen. Gusner deutet das ganz zeitgemäß: Bei ihr geht es um die Midlife-Crisis von Frauen um die 40, die immer noch auf eine bessere Zukunft hoffen und dabei versäumen, im Hier und Jetzt zu leben. Nun sind die „Drei Schwestern“ bekanntlich eine Komödie, und das Trio wird sicher nicht in Resignation und Melancholie versinken. Die brennendste Frage, die sich bei der Top-Besetzung stellt, lautet denn auch: Werden die Ex-„Bandits“ singen? Sandra Luzina

Theater am Kurfürstendamm, Fr/Sa 30./31.5.,

20 Uhr (Vorauff.), So 1.6., 18 Uhr (Prem.), ab 13 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben