Zeitung Heute : Prunk in kleinen Dosen

Goldene Dekorationen liegen im Trend.

Mal ist es eine Vase auf dem Schrank, mal der Fuß einer Lampe oder ein Regal unter vielen andersfarbigen. Einer der neuen Trends für die Wohnräume hält sich gerne im Hintergrund – aber da glänzt es dann: Gold.

„Es drückt aus: Ich will kein billiges Plastik hinstellen, sondern eher etwas zeigen, was wertig ist“, analysiert Ursula Geismann die neue Beliebtheit. Sie ist Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn und glaubt, dass die Stücke eine Aussage über ihren Besitzer machen sollen. Auch Designer und Einrichter setzen geballt auf Edelmetalle. Auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln im Januar standen sie im Mittelpunkt. Wie der 72 Zentimeter große Pinguin „Hopebird“ von Jaime Hayon: Komplett goldfarben ziert er das als Trendbeispiel der Weltleitmesse aufgebaute „Das Haus – Interiors on Stage“. Aber auch in den anderen Beispielwohnungen der Messe sah man Gold und andere Edelmetalle fast überall.

Goldene Accessoires und Kleinmöbel sind also beliebt – aber alles andere als unauffällig. Deshalb sollten sie spärlich eingesetzt werden, meint Geismann: „Sonst wirkt es zu überladen.“ Auch Axel Venn rät: „Setzen Sie es immer nur in Kombination ein.“ Als Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim ist er ein wahrer Farbexperte. „Immer mit anderen Tönen mischen und nie nur Gold verwenden“, sagt er. „Es hat nämlich eine unglaublich prägnante Wirkung.“ Venn selbst sieht die Farbe gerne in Kombination mit dunklem Holz und Weiß.

Dabei waren Gold, Silber und Kupfer in den vergangenen Jahren eher verpönt. Verband man damit doch die Opulenz barocker Einrichtungen. Aber selbst dieser Stil ist an den Wänden wieder im Trend, sagt zumindest das Deutsche Tapeten-Institut in Düsseldorf. Tapeten im Barockstil haben häufig ornamentale Verzierungen mit metallischen Anteilen. „Diese Tapeten wirken überladen und schwer“, sagt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Instituts. Das scheint Designverliebte aber nicht zu stören – im Gegenteil. „Neben Gold kommt auch Kupfer nun mehr auf.“

Auch Ursula Geismann glaubt an die Einrichtungsidee mit dem Edelmetall. Das Gute sei, dass Gold jetzt überall einen Platz finden könne – egal welcher Wohnraum und welcher Gestaltungsstil. „In kleinen Dosen passt es überall hin.“ Gerade Gold ist anpassungsfähig und wandelbar, findet auch Farbenprofessor Axel Venn: „Silber funkelt sehr, Gold ist auch matt schön.“ Häufig sieht man bei den Ausstellern auf der IMM auch Töne wie Rosagold und vor allem Kupfer – das von der Messe als neuester Schrei unter den trendigen Metalltönen gelobt wurde. dpa

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