Zeitung Heute : PSA Peugeot/Citroën und Ford: Motoren passen wie bei "Plug-and-Play"

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Sie rollen künftig von einem Band, die gemeinsam von PSA Peugeot/Citroën und Ford entwickelten modernen direkt einspritzenden 1,4-Liter-Common-Rail-Diesel. Eingebaut werden sie allerdings in sehr unterschiedliche Fahrzeuge. Insgesamt werden das binnen der nächsten Jahre 23 Fahrzeugmodelle dreier Marken auf mehreren unterschiedlichen Plattformen sein. Da wäre es wenig sinnvoll, wenn die Motoren an diese Fahrzeuge extra angepasst werden müssten. Deshalb hat man sich entschlossen, die Motoren so zu bauen, dass sie marken- und plattformübergreifend problemlos passen. Bei PSA spricht man deshalb auch von "Plug-and-Play"-Motoren.

Voraussetzung dafür, dass die Motoren sowohl bei den beiden PSA-Marken Peugeot und Citroën als auch bei Ford passen, ist eine einheitliche Schnittstelle zwischen Motor und Fahrzeug. In der Praxis bedeutet das, dass Luftzufuhr, Wasser- und Kraftstoffversorgung, und die elektrischen und mechanischen Anschlüsse unabhängig vom Farzeugtyp bei den Fahrzeugen aller Marken, die mit den neuen Motoren ausgestattet werden, identisch sind.

Die unterschiedlichen Motorenvarianten dieser Baureihe bestehen aus mehr als 60 Prozent sogenannter Gleichteile. So haben alle Versionen dieselbe Basis und verwenden den gleichen Motorblock, die gleiche Kurbelwelle, die gleichen Pleuel und Lagerschalen und identische Öl- und Wasserpumpen. Um das "Plug-and-Play"-Prinzip zu verwirklichen, entschieden sich die Entwickler für einen modularen Aufbau aus homogenen Untergruppen. So besteht zum Beispiel der Einlasstrakt aus einer einzigen Multifunktions-Baugruppe, in der Luftfilter, Luftmengenmesser, Schalldämpfer des Turboladers, Einlassluftverteiler, Kurbelgehäuseentlüftung, Zylinderkopfhaube und Kraftstofffilter zusammengefasst sind. Ähnlich gestaltet wurden Wasserversorgung, Kraftstoffzufuhr und die elektrischen und mechanischen Anschlüsse.

Auf dem Weg zur Nummer Eins

Durch ihre Koperation werden PSA und Ford bis 2005 zu Europas größtem Dieselmotorenhersteller mit einer Produktion von 9000 Motoren arbeitstäglich werden. Der jetzt als erstes gemeinsam gefertigtes Aggregat vorgestellte 1,4-Liter wird im nördfranzösischen Werk Douvrin nahe Calais gebaut. Dafür wurde eine neue Fertigungslinie für bis zu 2500 Motoren pro Tag eingerichtet, auf der die wesentlichen Komponenten wie Motorblock, Zylinderkopf, Kurbelwellen und Pleuel bearbeitet und die Motoren montiert werden. Auf dieser sehr flexiblen Linie können sowohl Diesel als auch Benziner bearbeitet werden.

Gearbeitet wird in Douvrin nach dem Prinzip "First In First Out" (FIFO). Ziel ist eine Null-Fehler-Produktion. bei der nach jeder Station die Qualität kontrolliert wird - durch die Mitarbeiter an dieser Station, wenn es um Handarbeit geht und automatisch, wenn es um automatisierte Arbeitsschritte geht. Motoren, die an irgendeiner Stellung des Fertigungsprozesses die Qualitätsvorgaben nicht erfüllen, erhalten eine "rote Karte". Um den kontinuierlichen Fertigungsfluss nicht zu stören, wird allerdings nicht an der Montagelinie nachgebessert.

Ein wichtiges Element in modernen Motorenwerken ist neben der effektiven Organsation der Fertigungsabläufe und der Qualitätssicherung höchste Sauberkeit. Das gilt insbesondere für die Montage des Common-Rail-Systems, dessen Spritzlöcher der Einspritzventile nur etwa die Dicke eines Haars haben, um eine extrem feine Zerstäubung des Kraftstoffs zu erreichen.

In 32 Monaten fertig

Neue Motoren entstehen nicht von heute auf morgen. Aber mit nur 32 Monaten haben die Entwickler von PSA und Ford für die neuen Diesel einen Rekord aufgestellt. Wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen hat, dass man die Erfahrungen beider Teams frühzeitig bündelte. Von besonderen Vorteil dabei war, dass sich diese Erfahrungen sehr gut ergänzten. Das Entwicklungsteam, das aus 400 Entwicklungsingenieuren und -spezialisten besteht, arbeitet im Technikzentrum von PSA in La Garanne Colombes nahe Paris. Um Zeit zu gewinnen, wurden zahlreiche Zulieferer bereits frühzeit in den Entwicklungsprozess integriert.

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